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6. November 2017

Weinlese in Rheinhessen: Ein besonderes Wandererlebnis im Aulheimer Tal

Die Weinlese in Rheinhessen fand 2017 so früh uns so schnell wie selten statt. Während die fünf neuen Hiwweltouren im August und September nach und nach eröffneten, waren die Winzer am Wegesrand bereits kräftig mit der „Turbolese“ beschäftigt. Wir haben sie beobachten und sogar begleiten dürfen – und dabei köstliche Trauben probiert. Die Weinlese im Aulheimer Tal ist ein ganz besonderes Erlebnis – auf und auch abseits der Wanderwege.

Ein turbulentes Weinjahr für Rheinhessen

Mit den ersten Trauben für den Federweißen hat die Weinlese in Rheinhessen in diesem Jahr bereits Mitte August begonnen – und war passend zur Eröffnung der Hiwweltour Aulheimer Tal in vollem Gange. Die abwechslungsreichen Wanderwege der Tour führen über weite Strecken mitten durch die Weinberge und so konnte man wunderbar beobachten, wie die örtlichen Winzer reife Trauben entweder mit der Hand oder mit riesigen Vollerntern einholten.

Die Ernte begann für die Weinbauern in Rheinhessen deutlich früher als gewohnt, bedingt durch ein äußerst turbulentes Wetterjahr. Nach einem milden März trieben die Reben bereits früh aus. Dann allerdings schlug der Spätfrost zu und erwischte vor allem junge, frische und saftige Triebe. Die Rebstöcke entwickelten weniger Trauben als in den vergangenen Jahren. Die, die kamen, wuchsen dank Sonne und Wärme aber gut.

Doch damit nicht genug! Im Sommer verursachten überraschender Hagel und Regenfluten in einigen Teilen Rheinhessens weitere Schäden. Schließlich regnete es noch einmal kräftig; höchste Zeit für die Ernte, um die inzwischen reifen Trauben vor der Feuchtigkeit zu retten und etwaiger Fäulnis zuvorzukommen.

Weinlese hautnah

Trotz dieser schwierigen Bedingungen nahmen sich die Winzer im Weindorf Flonheim, dem Ausgangspunkt der Hiwweltour Aulheimer Tal, Zeit für ihre Gäste. Das Weingut Dohlmühle beispielsweise lädt regelmäßig zu Planwagenfahrten rund um den Trullo ein – so auch in diesem Spätsommer. Wir durften Familie Stütz ganz spontan begleiten, als sie gerade auf dem Weg in ihre Weinberge waren – ausnahmsweise mit dem Kleinbus und nicht mit dem Planwagen.

Viele Lagen waren zu diesem Zeitpunkt bereits geerntet. Sie kontrollierten die Trollinger-Trauben mit dem Refraktometer, einem kleinen Gerät, das den Zuckergehalt von Trauben misst. Und tatsächlich: Es war höchste Zeit, auch den Trollinger zu lesen. Noch am selben Nachmittag sollte es soweit sein.

Vorher aber durften wir die roten Trauben kosten. Auch ganz ohne Refraktometer schmeckten wir die Süße und Reife, sie waren köstlich! Vielleicht lag es daran, dass wir uns so spontan im Weinberg wiederfanden oder daran, dass wir die Trauben mit Ausblick auf die umliegende rheinhessische Hügellandschaft naschten – es waren mit die besten Trauben, die ich je gegessen habe.

Familie Stütz nahm sich viel Zeit, erklärte uns den Ernteprozess und zeigte, wie die Rebstöcke anschließend auf den Winter vorbereitet werden; die Arbeit im Weinberg ist mit der Lese lange noch nicht abgeschlossen. Wir durften schätzen, wie teuer einer der großen Vollernter ist (es bewegt sich im sechsstelligen Bereich) und durften dann sogar einige Meter auf der Trittleiter eines Vollernters mitfahren.

Die Menschen in Rheinhessen sind offen, herzlich und gastfreundlich. Das wurde an diesem sonnigen Tag wieder bewiesen. Auf der Rückfahrt nach Flonheim hielten wir noch am Trullo. Das Wahrzeichen Rheinhessens kann man gar nicht oft genug besuchen. Auch wenn sie so gut wie jeden Tag in den Weinbergen verbringen, kommen die Winzer der Dohlmühle immer wieder gerne hierher.

Auf Safari in den Weinbergen

Die Hiwweltour Aulheimer Tal führt ebenfalls durch die Weinberge um Lonsheim. Wer sich hier beim Wandern in die traumhaften Ausblicke verliebt hat – etwa auf dem Lonsheimer Turm oder der Oswaldhöhe – kann sich im Anschluss (oder bei schlechtem Wetter) mit dem Geländewagen noch einmal auf Safari begeben. Ja, eine echte Safari! Zwar ohne wilde Raubtiere, dafür aber mit viel köstlichem Wein aus dem eigenen Weinberg.

Winzer Andreas Mohr nahm uns mit und zeigte uns in seinem umgebauten offenen Land Rover ganz persönliche Lieblingspunkte auf der Hiwweltour Aulheimer Tal – und wunderschöne Orte darüber hinaus. Wir fuhren über Stock und Stein, durch Pfützen und hinauf auf schmale, steile Hügel. Ein tolles Erlebnis, besonders mit der Erinnerung, dass wir diese Höhenunterschiede auf der Hiwweltour noch zu Fuß zurückgelegt haben. An einer besonders schönen Stelle konnten wir den Horizont vom Übergang ins Rheintal bis zur Skyline von Frankfurt überblicken. Was für eine beeindruckende Aussicht!

Während des „rollenden Weinseminars“ erzählte uns Andreas Mohr ebenfalls von den schwierigen Wetterbedingungen und der Turboernte in diesem Jahr. Außerdem erklärte er sehr anschaulich, was seine eigenen Weine so besonders macht. Die durften wir dann direkt, mitten in den Weinbergen probieren. Vorzüglich!

Ihr seht also, dass die Weinlese in Rheinhessen auf viele verschiedene Arten erlebbar ist: Beim Wandern auf der Hiwweltour Aulheimer Tal zum Beispiel, mit den Winzern zusammen in ihren Weinbergen und sogar auf einer außergewöhnlichen Weinsafari. In jedem Fall immer ein Erlebnis!

 

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Kommentare

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  1. Liebe Frau Krebs, es ist wirklich eine lohnende Wandertour. Sehr abwechslungsreich. Mit dem Landrover würde ich allerdings auch gerne mal die Strecke abfahren. Herzliche Grüße

    1. Susanne Krebs

      Hallo Herr Hering, vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Die Hiwweltour Aulheimer Tal hat wirklich viel zu bieten. Unglaublich, wie abwechslungsreich Rheinhessen sein kann. Die Safari ist wirklich etwas ganz besonderes. Man entdeckt noch einmal ganz andere Ecken. Probieren Sie es doch einfach mal selbst aus. Es lohnt sich!

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