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13. August 2018

Terroir, Wein und Winzer

Auf der Hiwweltour Stadecker Warte könnt Ihr nicht nur wandern, sondern auch etwas über Wein und Weinanbau lernen, denn die örtlichen Winzer haben am Wegesrand anschauliche Terroir-Bodenprofile angelegt. Doch was bedeutet Terroir eigentlich? Wie beeinflusst es den Geschmack des Weins? Und was zeichnet den Wein entlang der Hiwweltour aus?

Die Bedeutung des Terroir

Das Wort Terroir ist französisch, kann aber nicht direkt übersetzt werden. In Bezug auf den Weinbau umfasst der Begriff Terroir die natürlichen und menschlichen Einflussfaktoren – und deren Wechselspiel – auf Anbau und Geschmack des Weins. Und diese Faktoren sind vielfältig:

Die Lage des Weinbergs samt Höhe und Hangform spielt mit der Beschaffenheit des Bodens zusammen. Dazu kommt das Klima in Form von Sonnenstunden, Niederschlag und Temperatur. Die Region an sich, ihre Geschichte, Kultur und Traditionen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Und zu guter Letzt steht bei all dem der Winzer mit seiner Philosophie, seiner Arbeit im Wingert und seinem Gespür im Keller im Mittelpunkt.

Ihr seht also: Terroir lässt sich gar nicht so einfach erklären. Einen kleinen Teilaspekt aber – den geologischen Aspekt – könnt ihr am Wegesrand der Hiwweltour Stadecker Warte aktiv und anhand von Bodenprofilen erleben.

Willkommen im Weinberg

Die örtlichen Winzer in Stadecken-Elsheim kümmern sich liebevoll um den Prädikatsrundwanderweg. Sie haben viele der Rastmöglichkeiten entlang der Strecke selbst gebaut und übernehmen das Mähen und Mulchen der Wanderwege.

Die Winzer kümmern sich aber nicht nur um das „Erlebnis Wandern“, sie möchten Euch auch das „Erlebnis Wein“ nahebringen. An der Hiwweltour sind zwei Bodenprofile freigelegt, die den geologischen Aspekt des Terroir veranschaulichen. Ihr könnt die Bodenstruktur betrachten, anfassen und die jeweiligen Besonderheiten den dazugehörigen Infotafeln entnehmen.

Qualität statt Quantität

Das Kalksandstein-Bodenprofil des Stadecker Lenchens liegt direkt unterhalb des Tisch des Weins. Wenn Ihr hier etwas Sand in die Hand nehmt und ihn in die Sonne haltet (die hoffentlich scheint), dann könnt Ihr nicht nur verschiedene Maserungen, sondern auch das typische Glitzern erkennen.

Für die Wurzeln der Reben gibt es zwischen den feinen sandigen Bodenteilchen viel Platz und Luft. Das bewirkt eine gute Erwärmung des Bodens und dadurch gute Reifemöglichkeiten für lebendige, von einer frischen Säure geprägte Weine. Der sandige Boden kann außerdem kaum Wasser binden. Deshalb bildet sich ein dichtes Wurzelgeflecht im oberen Bodenbereich, um dort Regenwasser aufzunehmen. Weiter unten herrscht Trockenheit und die bewirkt eine Ertragsreduzierung, welche wiederum für eine Qualitätssteigerung sorgt.

Hartes Leben für die Reben

Wenn Ihr die Stadecker Warte passiert habt, könnt Ihr wenig später unter der von Winzern selbstgebauten Pergola eine kleine Pause einlegen. Direkt daneben liegt das Tonmergel-Bodenprofil des Stadecker Spitzbergs. Ist der Boden trocken, so zeigen sich die typischen Risse im Profil; der Tonmergel wird dann hart wie Stein. Ist der Boden allerdings feucht, könnt Ihr fühlen, dass der Tonmergel weich wie Knete ist. Und an den Schuhen tragt Ihr eine nette Erinnerung mit nach Hause.

Die Rebe hat es in diesem Boden nicht leicht. Quillt der Tonmergel bei Regen auf, so werden die Feinwurzeln abgequetscht und Luftmangel entsteht. Außerdem kommt das im Ton gebundene Wasser zum Teil gar nicht bei den Reben an. Die Winzer lockern daher oft den Tonmergelboden und geben ihm Humus oder Löss bei. Diese schwierigen Bedingungen aber bringen interessante und körperliche Weine hervor, die sich durch Mineralik und Komplexität auszeichnen. Die mühsame Arbeit lohnt sich also!

Besuch beim Winzer

Nachdem Ihr auf der Hiwweltour Stadecker Warte viel über Terroir und Wein gelernt habt, bietet sich ein anschließender Besuch bei den örtlichen Winzern in Stadecken-Elsheim gerade zu an.

Im Weingut Eppelmann kann man nicht nur ausgezeichnete Weine probieren, in der „Rheinhessen AUSGEZEICHNET“ PanoramaVinothek hat man währenddessen auch noch einen traumhaften Ausblick auf die umliegenden Weinberge. Während der Öffnungszeiten seid Ihr immer willkommen und könnt einfach auf den Hof kommen. Außerdem lädt der Familienbetrieb zu zahlreichen Veranstaltungen mit besonderen Weinverkostungserlebnissen ein.

Timo Eppelmann kümmert sich um den Anbau und die Pflege der Rebstöcke und begleitet die Trauben bis ins Weingut. In seiner Funktion als Kellermeister sorgt er gewissenhaft für die schonende Veredlung der Traube zum Wein und ist damit selbst ein wichtiger Terroir-Einflussfaktor. Außerdem ist er der Vorsitzende des örtlichen Bauern- und Winzervereins und somit mitverantwortlich für die Gestaltung und Pflege des Prädikatswanderwegs.

Hiwweltour persönlich

Für Timo Eppelmann ist Wandern in Rheinhessen pures Genusswandern. Schöne und vor allem umweltverträgliche Wanderwege, die keine Nachteile für umliegende Bewirtschafter bringen („Rücksicht macht Wege breiter!“), sind dabei unverzichtbar – und das sieht er auf der Hiwweltour Stadecker Warte wunderbar umgesetzt.

Die Terroir-Bodenprofile sind auch für ihn etwas ganz Besonderes, sein Lieblingsplatz auf der Hiwweltour aber ist der große Pavillon im Wingert, von dem aus man einen grandiosen Rundumblick auf die rheinhessische Kulturlandschaft hat. Hier, so verrät er, kann man sehr genau erkennen, warum die Hiwweltour diesen Namen trägt („Hiwwel“ ist rheinhessisch für „Hügel“).

Die Hiwweltour Stadecker Warte verbindet naturnahes Wandern mit anschaulichem Wissen über Terroir, das den Geschmack des Weins maßgeblich bestimmt. So erfahrt Ihr auch, was den Wein entlang der Hiwweltour auszeichnet. Und wenn Ihr diesen im Anschluss an Eure Wanderung bei den ortsansässigen Winzern in Stadecken-Elsheim probiert, dann könnt Ihr ganz anders mitreden!

 

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