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5. September 2017

Wanderbericht Hiwweltour Zornheimer Berg: Obst, Wein und Geschichte

Im Laufe des Sommers eröffnen fünf neue Hiwweltouren in Rheinhessen. Wir haben bereits die Hiwweltour Westerberg und die Hiwweltour Stadecker Warte getestet und Euch beide hier im Blog vorgestellt. Nun waren wir auf der Hiwweltour Zornheimer Berg unterwegs und verraten, was uns auf dem kurzweiligen Prädikatswanderweg am besten gefallen hat.

Drei Grazien in Zornheim

Namensgeber sowie Ausgangs- und Endpunkt der Hiwweltour Zornheimer Berg ist das charmante Weindorf Zornheim. Schon auf dem Weg dorthin merken wir, dass es eines der höchstgelegenen Weindörfer Rheinhessens ist. Unser Auto legt ziemlich viele Höhenmeter zurück; mal sehen, wie viele wir heute noch zu Fuß zurücklegen werden. Wir parken auf dem Wanderparkplatz neben dem schönen Lindenplatz, der erst vor wenigen Jahren komplett neugestaltet wurde.

Im Mittelpunkt des Platzes steht der große „Drei-Grazien-Brunnen“. Drei junge Bronze-Frauen treten mit ihren Füßen Trauben zu Most. Fünf Bacchanten schauen ihnen dabei aufmerksam zu. Sie symbolisieren die fünf Zornheimer Weinlagen: Vogelsang, Mönchbäumchen, Pilgerweg, Guldenmorgen und Dachgewann.


Der Brunnen ist zur Freude spielender Kinder ebenerdig und begehbar. Und – soviel schon vorab – auch wir werden uns am Ende unserer Wanderung über die kleine Abkühlung für unsere müden Füße freuen. Zunächst aber nehmen wir den Zuweg zur Hiwweltour und freuen uns auf knapp sieben Kilometer abwechslungsreichen Wanderweg. Die Hiwweltour Zornheimer Berg ist übrigens die kürzeste der rheinhessischen Hiwweltouren.

Obstbäume und Kühe

Wir lassen den Ortsrand Zornheims hinter uns und tauchen in die Natur ein. Obst soweit das Auge reicht! Unvorstellbar viele Kirschbäume, Birnbäume, Apfelbäume und Mirabellenbäume säumen unseren Wanderweg. Oder besser gesagt: Unser Wanderweg führt mitten durch die endlosen Obstplantagen. Die reifen Früchte an den Ästen lachen uns verführerisch an und irgendwie liegt ein angenehm süßer Duft in der Luft.

Um das Naturglück perfekt zu machen, stoßen wir schon bald auf eine Herde Kühe. Die zotteligen Tiere scheinen die Sonne genauso zu genießen wie wir, wenngleich sie auch mit deutlich mehr Fliegen zu kämpfen haben. Die Armen!

Zu Ehren Rheinhessens

Der erste sprichwörtliche Höhepunkt dieser Hiwweltour ist der Hasenberg. Wir genießen tolle Ausblicke vom „Hiwwel“ (Hügel) in den Taunus und erreichen wenig später den rheinhessischen Jubiläumswald. Na gut, von einem Wald kann man noch nicht wirklich sprechen, schließlich wurden die 200 Bäume erst 2016 anlässlich des 200-jährigen Jubiläums von Rheinhessen gepflanzt.

Winterlinde, Speierling, Hainbuche und Feldahorn – diese und viele andere heimische Baumarten wachsen nun unweit Zornheims zu einem kleinen Wald heran. Die Skulptur „Welle des Lebens“ ergänzt das natürliche Ensemble.

Woher wir so viel über diesen Jubiläumswald wissen? Insgesamt zehn äußerst kurzweilige Infotafeln begleiten unsere Wanderung und informieren uns über Besonderheiten am Wanderweg. Zudem verraten sie fleißig, wie viel Wegstrecke schon hinter uns liegt und wie viele Kilometer wir noch vor uns haben. Ein toller Ansporn!

In den Rohrwiesen

Der nächste Abschnitt der Hiwweltour führt zum artenreichen Biotop Rohrwiesen hinab. Noch bevor wir die Wiesen sehen können, hören wir sie bereits. Die natürliche Geräuschkulisse nimmt mit jedem Schritt zu. Wir hören es summen, brummen, zwitschern, zirpen und quaken. Kein Wunder! Das Biotop mit rund 2.600 Quadratmetern Wasserfläche ist Lebensraum von diversen heimischen Tieren wie Libellen, Vögeln, Molchen, Kröten und vielem mehr.

Weinberg mit Skyline

Sobald wir aber die Weinberge erreichen, kehrt Stille ein. Kein buntes Naturkonzert mehr, dafür ein Meer aus Reben, das nicht weniger beeindruckend ist. Schritt für Schritt erklimmen wir den nächsten Hiwwel und jede Anstrengung ist wie weggeblasen, als wir den Ausblick vom Wingert genießen. Das Wetter ist herrlich, die Sicht ist frei und so blicken wir nicht nur bis in den Taunus, wir können am Horizont sogar die Skyline von Frankfurt am Main ausmachen. Die Hochhäuser sind eindeutig zu erkennen. Was für ein toller Kontrast zwischen Stadt und Land, Zivilisation und Natur!

Das Wingertshäuschen „Auf dem Winkel“ lädt müde Wanderer nach dem Aufstieg zur Rast ein, wir gehen aber noch etwas weiter durch die Weinberge. Neben alten Reben mit knorrigen Stämmen wachsen Jungreben mit zarten Trieben und wir beobachten die Winzer, die hier im Weinberg ihrer Arbeit nachgehen und sich liebevoll um jeden einzelnen Rebstock kümmern.

Ein Stück Geschichte

Die Hiwweltour führt uns weiter hinauf auf den Selzer Berg. Hier passieren wir die ehemalige Selzstellung, eine der wichtigsten Festungen des ersten Weltkriegs. Die Zornheimer Festung wurde wie alle anderen im Selztal nach Kriegsende gesprengt. Große Betonbrocken befinden sich so auch heute noch unter der Erde, auf der wir wandern. Ein spannender Einblick in die bewegte Geschichte der Region!

Rast mit Aussicht

Es geht bergab und gleich wieder bergauf. Die Hiwweltour macht ihrem Namen wirklich alle Ehre und trotz der relativen „Kürze“ der Strecke, hat es die Tour in sich.

Den letzten Rückanstieg versüßen wir uns schließlich mit einer Rast am Wingertshäuschen „Am Hohberg“. Während wir es uns auf der Bank in der Sonne gemütlich machen, schrecken immer wieder Starenschwärme aus dem Weinberg in den Himmel. Ein beeindruckendes Bild – auch wenn die Vögel selbst die reinste Plage für die Winzer sind, denn sie haben es auf die leckeren reifen Trauben abgesehen. Nun wissen wir auch, für wen die kreativen Vogelscheuchen am Wegesrand gedacht sind.

Das Ende der „Durststrecke“

Nach unserem kleinen Picknick machen wir uns auf den Rückweg und Zornheim ist tatsächlich nicht mehr weit entfernt. Die Infotafeln bezeichnen die gesamte Länge der Hiwweltour übrigens augenzwinkernd als „Durststrecke“. Wem es so kurz vor Schluss wirklich (nach Wein) dürstet, der kann sich auf eine schöne Einkehr in den Weingütern Zornheims freuen.

Zukünftig wartet außerdem der saisonale Weinausschank am Ruhkreuz auf durstige Wanderer. Die Interessengemeinschaft „WeinErlebnis Zornheimer Berg“ plant hier am Ortsrand Wasser und Strom zu installieren und so an warmen Wochenenden komfortabel kleine Weinproben unter einem neugebauten Weinpavillon abzuhalten.

Spätestens wenn das so weit ist, müssen wir auf jeden Fall wiederkommen. Solange machen wir es uns am Ruhkreuz auf der gemütlichen Wanderliege bequem und genießen noch ein letztes Mal den wunderschönen Ausblick ins Selztal, bevor wir die Hiwweltour abschließen und zum Zornheimer Lindenplatz zurückkehren.

Klein aber oho!

Die Hiwweltour Zornheimer Berg mag zwar die kürzeste aller Hiwweltouren sein, die artenreiche Natur, viele Hügel und fantastische Ausblicke sorgen aber für eine Menge Abwechslung. Das charmante Weindorf Zornheim bildet den perfekten Anfangs- und Endpunkt des Wanderwegs, der übrigens wunderbar auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Mainz aus zu erreichen ist.

 

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Kommentare

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  1. Hallo Susanne, vielen Dank für die Eindrücke und Beschreibungen von der Tour. Meine Frau und ich waren bei der Eröffnung dabei und waren beeindruckt von den vielen Wanderern und Gästen. Ich war die Tour bereits Mitte August direkt nach dem Sonnenaufgang von der Selzstellung aus gelaufen: http://derentspannen.de/hiwweltour-zornheimer-berg/ Wir kommen aus dem Nachbarort Selzen und kennen die Gegend, doch Deinem Bericht konnte ich einige neue Eindrücke entnehmen. Vielen Dank auch für die schönen Fotos!

    1. Susanne Krebs

      Hallo Frank, danke für die Blumen:-) Die Runde ist wirklich schön und dank der vielen Infopunkte kann man viel neues erfahren. Schöne Grüße!!

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