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3. April 2018

Wandern mit der Wegepatin: Persönliche Einblicke in die Hiwweltour Zornheimer Berg

Gemütlich durch Streuobstwiesen schlendern, den Blick über die rheinhessische Hügellandschaft schweifen lassen, die Weinberge hinauf und wieder hinunter: jeder Meter der Hiwweltour Zornheimer Berg ist besonders. Das weiß auch Hiltrud Hollich, Wegpatin des Prädikatswanderweges. Sie erzählt uns über die Entstehung des Wanderwegs, über ihren geschichtsträchtigen Lieblingsort und über die Veranstaltungen entlang der Hiwweltour in Zornheim.

Der Traum vom eigenen Wanderweg

Obstbäume, Weinberge, Ausblicke und Geschichte. Die Hiwweltour Zornheimer Berg  besticht durch landschaftliche und inhaltliche Abwechslung. Das macht sie für Wegepatin Hiltrud Hollich zu einem ganz besonderen Erlebnis. Gemeinsam mit Elke Tautenhahn, Gerhard Kneib und Robert Becker war sie in den letzten Monaten maßgeblich für die Schaffung des Wanderwegs rund um das charmante Weindorf Zornheim verantwortlich.

Hollich träumte schon seit vielen Jahren von einem attraktiven Wanderweg um Zornheim. Sie geht regelmäßig walken und kennt ihre Umgebung in- und auswendig. Gerne wollte sie noch vielen weiteren Menschen dieses schöne Fleckchen Erde zeigen. Als sich schließlich die Möglichkeit ergab, im Rahmen der Erweiterung der Hiwweltouren-Familie eine zertifizierte Rundwanderung in Zornheim zu entwickeln, machte sich die Ortsgemeindeverwaltung mit viel Elan und Freude an die Arbeit.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen! Die Hiwweltour Zornheimer Berg ist 6,8 km lang. Das entspricht durchschnittlich 9.669 Schritten. Der Wanderweg führt durch Streuobstwiesen und das artenreiche Biotop Rohrwiesen, hinauf in die Weinberge und entlang der ehemaligen Selzstellung. Immer wieder könnt Ihr zum Odenwald und zum Donnersberg, in den Hunsrück, den Taunus und bis zur Skyline von Frankfurt blicken.

Die Selzstellung: Ein geschichtsträchtiger Ort

Hiltrud Hollich schätzt diese Abwechslung sehr, die auch Wanderer immer wieder zum Staunen bringt. Die ehemalige Selzstellung ist ihr Lieblingsstelle, da muss sie gar nicht lange überlegen. Noch beeindruckender als der fantastische Blick auf die Hügellandschaft Rheinhessens ist für Hollich vor allem die Historie dieses doch eher unscheinbaren Ortes.

Vor und während des Ersten Weltkrieges entstand in Rheinhessen eine der wichtigsten westlichen Verteidigungsfestungen: die Selzstellung. Sie wurde in Vorbereitung auf einen denkbaren Kriegsschauplatz errichtet und umfasste über 350 moderne Festungswerke, Lagerplätze, Wasserwerke und Fernmeldestationen. Den erwarteten Krieg in den Weinbergen hat es zum Glück nicht gegeben. Nach Kriegsende wurde die Selzstellung dann gesprengt, heute ist sie vielfach in Vergessenheit geraten. Große Betonbrocken befinden sich aber immer noch unter der Erde und diese stellen örtliche Winzer teilweise vor große Herausforderungen, wenn sie einen neuen Weinberg anlegen wollen.

Hiltrud Hollich ist Co-Autorin des Buches „Bollwerk Mainz“, das sich intensiv mit diesem Thema befasst. Dafür ist sie bis nach Berlin gereist und hat dort im politischen Archiv Hintergründe und Details zur Selzstellung recherchiert. Kein Wunder also, dass die Hiwweltour Zornheimer Berg am Ort der ehemaligen Zornheimer Stellung vorbeiführt und wir so über seine besondere Geschichte lernen.

Lehrreiche und unterhaltsame Wegbegleiter

Generell kann man auf dieser Hiwweltour sehr viel lernen. Zehn Infotafeln erklären und veranschaulichen Wissenswertes entlang der Wanderstrecke; zum Beispiel die Entstehung der „Hiwwel“ (rheinhessisch für Hügel), den Jubiläumswald, der 2016 anlässlich des 200-jährigen Jubiläums von Rheinhessen gepflanzt wurde, die Wildbienen und natürlich die Selzstellung. Die detaillierten und unterhaltsamen Infotafeln sind einzigartig in der Hiwweltour-Familie. Darauf ist man in Zornheim zu Recht sehr stolz.

Wanderung mit Weinerlebnis

Auch auf die Eröffnung der Hiwweltour am 2. September 2017 ist Zornheim stolz. Die ganze Gemeinde sowie zahlreiche Gäste feierten am Ruhkreuz ein großes Fest. Die Wegpaten erhielten symbolisch eine Holzkiste mit einem Hammer und einer Sichel, mit denen auf der Hiwweltour nach dem Rechten gesehen werden kann. Wer wollte, der konnte an begleiteten Führungen auf der Hiwweltour teilnehmen. Die Interessengemeinschaft „Weinerlebnis Zornheimer Berg“ schenkte Zornheimer Wein aus und es gab zahlreiche rheinhessische Leckereien.

Am Ruhkreuz wird es auch zukünftig einen saisonalen Weinausschank geben. Die Interessengemeinschaft plant dort Wasser und Strom zu installieren und an schönen Wochenenden in der Wandersaison kleine Weinproben für Euch abzuhalten. Da Ihr Euch dort ganz in der Nähe des Hiwweltour-Endes befindet, ist das eine oder andere Gläschen sicherlich eine tolle Belohnung.

Charmant und aktiv: Das Weindorf Zornheim

Auch in Zornheim selbst ist immer wieder etwas los. Mittelpunkt ist der schöne Lindenplatz, der erst vor wenigen Jahren komplett neugestaltet wurde. Der große „Drei-Grazien-Brunnen“ zieht sofort alle Blicke auf sich. Drei bronzene Frauen treten mit ihren Füßen Trauben zu Most, während ihnen fünf Bacchanten aufmerksam dabei zusehen. Diese symbolisieren die fünf Zornheimer Weinlagen: Vogelsang, Mönchbäumchen, Pilgerweg, Guldenmorgen und Dachgewann.

Und noch etwas fällt am Lindenplatz sofort auf: das Backhaus mit dem großen Backofen. An verschiedenen Tagen im Jahr gibt es hier frisch gebackenes Brot, leckeren Kuchen oder knusprigen Flammkuchen – ehrenamtlich und auf Spendenbasis von Zornheimern gebacken.

Wann genau das Backhaus geöffnet hat, erfahrt Ihr immer aktuell im Veranstaltungskalender der Gemeinde Zornheim.

Dort findet Ihr auch viele weitere Veranstaltung, die das ganze Jahr über im Weindorf und auf der Hiwweltour stattfinden. So könnt Ihr zum Beispiel immer wieder auch selbst mit Hiltrud Hollich oder anderen Zornheimern wandern und walken gehen und erhaltet viele weitere persönliche Einblicke in die Hiwweltour Zornheimer Berg.

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Kommentare

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  1. jeder Meter der Hiwweltour Zornheimer Berg ist besonders. Das habe ich von Hiltrud Hollich der Wegpatin des Prädikatswanderweges persönlich am 01. Mai 2018 morgens um 10.30 Uhr erfahren. Ich habe eine besondere Einführung mit erleben dürfen, nach 2 Stationen mit einer guten erfahrenen Fachfrau wie die Hiltrud konnte ich meine kleine Tour nun alleine antreten. Die schönen Wingertshäuschen und die wunderbaren Weitblicke haben mein Interesse geweckt. In der Ferne sah ich den Donnersberg, den Odenwald, Blick auf den Taunus mit Rheingau und natürlich auch im Dunst der Ferne die Frankfurter Skyline. Tal auf und ab am Windrad vorbei zur schönen alten Kelter. Die Hinweistafeln sind sehr informativ und geben Auskunft über die Böden und Tierwelt usw. Ruhbänke sind zum erholen aufgestellt und man kann eine Brotzeit überall mit Fernsichten genießen. Der Tisch des Weines ist zu empfehlen mit einem Ruhkreuz. Durch den kleinen Jubiläumswald und am Biotop vorbei wieder zurück nach Zornheim einem wunderschönen Rheinhessen Dorf. Der Dorfplatz lädt zu ruhen ein, der Kirchplatz und alles drumherum sind sehr gepflegt und einen Besuch wert. Es war nicht das letzte mal, dass ich diesen schön Weinort aufgesucht habe. Vilen an die Weinbitschafterin Hiltrud Holich. Vielen Dank

    1. Daniel Schmidt

      Hallo Herr Ries, vielen Dank für die netten Worte. Diese geben wir so direkt an Frau Hollich weiter. Sie wird sich bestimmt sehr darüber freuen. Einen schönen Tag und noch viel Spaß beim Wandern in Rheinhessen!

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