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21. August 2017

Wanderbericht Hiwweltour Westerberg: Wiesen, Wein und Schloss Westerhaus

Hier im Blog habt Ihr bereits erfahren, dass im Laufe des Spätsommers fünf neue Hiwweltouren eröffnen und Wandern in Rheinhessen damit noch abwechslungsreicher wird. Natürlich haben wir die zertifizierten Prädikatswanderwege auf Herz und Nieren für Euch getestet und berichten hier im Blog nach und nach über die neuen Hiwweltouren, über Höhepunkte und Eindrücke. Den Anfang macht die Hiwweltour Westerberg. Also, auf nach Großwinternheim!

Wilde Wiesen und bunte Blumen

Wir starten unsere Wanderung auf der Hiwweltour Westerberg am Parkplatz des Sportplatzes in Großwinternheim. Bereits nach den ersten Metern auf dem Zuweg zur Hiwweltour entdecken wir das schöne Schloss Westerhaus, das auf dem uns gegenüberliegenden Westerberg thront. Später werden wir genau dort oben stehen, zunächst aber wandern wir das erste Stück der insgesamt 11,3 Kilometer lagen Hiwweltour entlang der Selz, die friedlich und leise neben uns plätschert. Der kleine Bach ist ein Nebenfluss des großen Rheins, in den er übrigens gar nicht weit von hier münden wird.

Nach kurzer Zeit erreichen wir das Naturschutzgebiet Gartenwiese und schnell wird klar: der Name ist Programm! Weite, wildgewachsene Wiesenflächen mit wunderschönen Blumen in allen Farben. Selbst die blühenden Disteln sind eine Augenweide. Mich beeindruckt besonders, dass man diese Pracht nicht nur sehen, sondern vor allem auch hören kann. Die „Gartenwiese“ steckt voller Leben, das sich in Summen, Brummen, Zwitschern und Zirpen bemerkbar macht. Was für ein Konzert!

Gleich hinter dem Naturschutzgebiet führt ein Zuweg nach Schwabenheim an der Selz. Wir entscheiden uns aber, auf der Hiwweltour zu bleiben und dem kleinen Örtchen mit dem historischen Marktplatz im Anschluss an unsere Wanderung einen Besuch abzustatten. Zum Glück liegen die Weindörfer in Rheinhessen alle nah beieinander, sodass man schnell und flexibel Ausflüge planen kann.

Die Hiwweltour führt uns auf naturnahen Wegen an Schwabenheim vorbei. Es ist wirklich wunderbar, dass wir so gut wie nie auf geteerten Wegen wandern müssen, sondern immer Erde, Mulch oder Gras unter unseren Füßen haben. So fällt das Laufen nicht nur um einiges leichter, man fühlt sich dadurch wirklich mit der Natur verbunden.

Hinauf auf den Westerberg

Bevor uns der Wanderweg in die Weinberge führt, passieren wir kleine Gartenparzellen mit Obst und Gemüse und wir überqueren die Selz auf einer kleinen Holzbrücke. Langsam aber sicher lassen wir das Tal hinter uns. Die ersten Weinreben säumen die Strecke und die ersten Höhenmeter machen sich in unseren Beinen bemerkbar. Puh, jetzt wird es Ernst!

Tatsächlich absolvieren wir den Anstieg auf den Westerberg an einem Stück, immerhin rund 165 Höhenmeter. Wie gut, dass nach etwa der Hälfte, kurz nach der Einmündung des Bubenheimer Zuwegs, die Walther-Zoth-Hütte Platz für eine kurze Verschnaufpause bietet.

Die traumhaften Ausblicke, die sich schon auf den letzten Metern des Anstiegs ankündigen, machen die Anstrengung aber schnell vergessen. Über das unendliche Rebenmeer hinweg blicken wir zurück ins Selztal, über das Naturschutzgebiet und auf die umliegenden Ortschaften. Ja, der Anstieg hat sich definitiv gelohnt! Und schließlich wäre es ja auch keine Hiwweltour ohne Hiwwel (rheinhessisch für Hügel), nicht wahr?

Durch Wein und Wald

Der nächste Wegweiser verrät uns, dass noch drei Kilometer bis Schloss Westerhaus vor uns liegen. Na, das ist doch mehr als machbar, zumal wir von jetzt an ebenerdig und gemütlich auf dem Westerberg wandern. Der Weg führt an unzähligen Weinreben aber auch an großen Ackerflächen vorbei. Wir haben die Möglichkeit, die noch nicht ganz reifen Trauben aus der Nähe zu inspizieren und genießen immer wieder die tolle Aussicht.

Als nächstes führt uns die Hiwweltour in das schattige Winternheimer Wäldchen, das in der waldarmen Region rund um Großwinterheim etwas ganz Besonderes ist. Hier ist die Luft deutlich kühler, aber auch deutlich frischer. Das Durchatmen tut gut und die wilden Johannisbeeren am Wegesrand schmecken köstlich.

Ein Besuch auf Schloss Westerhaus

Wir lassen Bäume und Beeren hinter uns. Zwei grasende Pferde kündigen an, dass Schloss Westerhaus jetzt nicht mehr weit ist. Das Schloss, das seit 1900 im Besitz der Familie von Opel ist, ist nämlich nicht nur ein prämiertes Weingut, sondern auch Rennpferdegestüt, welches seit Jahrzehnten hervorragende Zuchterfolge vorweisen kann.

Wir wandern entlang der Koppeln und Stallungen und erreichen schließlich das Schloss selbst, das wir schon ganz zu Beginn unserer Hiwweltour entdeckt haben. Von hier oben sieht es noch weitläufiger und beeindruckender aus. Wenn das große Holztor des Schlosses offensteht, ist die Vinothek geöffnet. Wir kosten einen wunderbaren trockenen Riesling aus dem Jahr 2016, Gutswein und „Visitenkarte“ des Hauses. Eben noch sind wir an den Reben des Weinguts vorbeigewandert, jetzt probieren wir das fertige Produkt – ein schönes Gefühl!

Hohlwege bei Ingelheim

Beschwingt setzen wir unsere Wanderung fort. Das mag zum einem am Wein liegen, zum anderen aber auch daran, dass es von nun an bergab geht. Oder daran, dass uns noch ein weiterer Höhepunkt erwartet: die seltenen historischen Hohlwege bei Ingelheim.

Hohlwege sind tief ausgefurchte Wege, die durch jahrhundertelange Nutzung mit Vieh und landwirtschaftlichen Geräten sowie durch abfließendes Regenwasser entstanden sind. Schloss Westerhaus war aufgrund seiner Hanglage früher nur schwer erreichbar und schwierig zu bewirtschaften. Voll beladene Pferde- und Ochsenkarren hinterließen im Lehm-Lössboden des Westerbergs ihre Spuren, die hier noch heute sichtbar sind.

Die Hohlwege sind tatsächlich ziemlich tief. Die Bäume am Wegesrand wachsen teilweise so, dass ihre Baumkronen ein natürliches Blätterdach über den Wanderweg werfen und man wirklich das Gefühl hat, durch ein riesiges, natürliches Labyrinth zu laufen.

Der Wanderweg schließt sich

Zurück im Tal wandern wir die letzten Kilometer wieder ganz entspannt entlang der leise plätschernden Selz. Zahlreiche Pferdekoppeln liegen am Wegesrand und von hier unten können wir noch einen letzten Blick auf Schloss Westerhaus hoch oben im Weinberg werfen. Großwinterheim liegt vor uns und somit der Ausgangs- und Endpunkt der Hiwweltour Westerberg.

Wir haben viel gesehen und erlebt: lauschige Uferhecken an der Selz, das lebendige Naturschutzgebiet Gartenwiese, Weinreben soweit das Auge reicht und sogar ein kleines Stückchen Wald. Schloss Westerberg war unumstritten der Höhepunkt des Tages und das nicht nur wegen des guten Weins! Die historischen Hohlwege bei Ingelheim rundeten die spannende und abwechslungsreiche Wanderung ab, die uns wirklich schöne aktive Stunden in Rheinhessen beschert hat.

Ich bin gespannt, was wir auf den vier anderen neuen Hiwweltouren erleben werden. Schon ganz bald könnt Ihr hier auf dem Blog mehr dazu lesen.

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Kommentare

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  1. Eine abwechslungsreiche Wanderung durch Weinberge, Wald und entlang der Selz. Sehr gut markiert, mit herrlichen Ausblicken! Am Eröffnungstag hatten wir auch ein gastronomisches Angebot entlang der Route! Ansonsten kann man in Schwabenheim einkehren!

    1. Susanne Krebs

      Hallo Renate Mayer, vielen dank für dein Kommentar und dein positives Feedback. Schwabenheim eignet sich hervorragend zum einkehren. Aber auch in Großwinternheim gibt es ein paar Adressen. Viel Spaß weiterhin beim Wandern in Rheinhessen.

  2. Wir sind am letzten Sonntag die Hiwweltour "Bismarckturm" gewandert und fanden es einfach nur phantastisch. Sehr abwechslungsreich und prima ausgeschildert. Es war ein Tag wie Urlaub. Grüße von Karola und Roland Elter

    1. Susanne Krebs

      Hallo Karola Elter, das ist toll und freut uns sehr! Vielen Dank für das positive Feedback zur Hiwweltour Bismarckturm. Viel Spaß bei der nächsten Wanderung in Rheinhessen.

  3. Diese Tour ist etwas für alle Wanderfreunde. Auch mit wenig Kondition kann man diese wunderschöne Tour schaffen. Die Wanderung durch Wiesen, Weinberge und entlang der idyllischen Selz ist nie langweilig und am Wegesrand ist immer etwas zu entdecken. Besonders schön ist eine Pause auf einer der Himmelsliegen oder der neuen Bänke mit toller Aussicht! Etwas für die ganze Familie!

    1. Susanne Krebs

      Hallo Ira, danke für dein Kommentar. Die Wanderliegen und Bänke gefallen mir auch besonders gut. Perfekt für eine kleine Pause. Kleiner Tipp: Besonders viele Rastmöglichkeiten und Wanderliegen gibt es auf der Hiwweltour Stadecker Warte! Perfektr für Familien! Viel Spaß beim wandern!

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