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19. September 2017

Wanderbericht Hiwweltour Neuborn: Wein und Weitblick

Die Hiwweltour Neuborn wurde in diesem Sommer als letzte von fünf neuen Hiwweltouren eröffnet. Auf dem Blog haben wir Euch bereits die anderen vier Prädikatsrundwanderwege vorgestellt, dann darf die letzte im Bunde natürlich nicht fehlen. Was wir auf unserer schönen Weinwanderung erlebt haben, erfahrt Ihr hier.

Start im Walderholungsgebiet

Vier Hiwweltouren haben wir bereits getestet, heute steht die letzte an. Bisher war jede Hiwweltour auf ihre ganz eigene Art und Weise abwechslungsreich und besonders; wir sind gespannt, womit uns die Hiwweltour Neuborn überraschen wird.

Startpunkt der Wanderung ist der Wanderparkplatz am Walderholungsgebiet Neuborn. In der Nacht hat es kräftig geregnet, der naturnahe Boden ist feucht. Inzwischen sieht es aber nicht mehr nach Regen aus, deshalb freuen wir uns umso mehr auf die rund acht Kilometer, die heute vor uns liegen.

Schon auf den ersten Metern tauchen wir in die Natur ein: Wiesen, Schmetterlinge und – aufgrund des feuchten Bodens – Schnecken, denen wir so gut es geht auszuweichen versuchen. Ein echter Slalom!

Reben und Rosen

Kaum verlassen wir das Walderholungsgebiet, erblicken wir die ersten Weinreben. Auffällig ist, dass neben vielen Reben Rosen wachsen. Vor allem früher waren die Rosen eine Art „Frühwarnsystem“, denn Krankheiten wie Mehltau zeigten sich zuerst am Rosenstock. Den Weinreben konnte dann noch gut geholfen werden. Heutzutage gibt es andere Methoden, um gegen solche Krankheiten vorzugehen. Die Rosen werden aber immer noch gerne gepflanzt – aus Tradition vielleicht oder weil es einfach schön aussieht.

Wir passieren den Stadtrand von Wörrstadt. Wer Lust hat, kann von hier aus einen kleinen Abstecher ins Zentrum machen, wir aber bleiben auf der Hiwweltour und wandern weiter durch die Weinberge. Wir beobachten Winzer und Weinarbeiter beim Rebschnitt und müssen immer noch der einen oder anderen Schnecke ausweichen. So mitten im Weinberg müssen das wohl Weinbergschnecken sein.

Der weinrote Weinbergsturm

Mitten im Rebenmeer steht der Burgunderturm, der uns schon von Weitem mit seiner kräftigen, weinroten Farbe anzieht. Der Turm mit seiner Aussichtsplattform ist den Weinbergstürmen in Burgund nachempfunden, denn Wörrstadt pflegt schon seit vielen Jahren eine Städtepartnerschaft mit der dortigen französischen Gemeinde Arnay-le-Duc.

Der Wind pfeift hier oben ganz schön stark, doch der Ausblick ist fantastisch. Die Reben sehen aus dieser Perspektive ganz anders aus, weniger gleichmäßig und irgendwie wilder. Außerdem kann man – wenn man es denn weiß – viele markante Punkte dieser Hiwweltour erkennen, die in unserem Fall noch vor uns liegen.

Ein ausgefallenes Haus

Wir setzten die Hiwweltour fort und wandern immer noch mitten durch die Weinberge. Wenig später erreichen wir einen kleinen überdachten Rastplatz – „gespendet von den Landfrauen, erstellt von der Rentnerbande“ klärt uns das Schild unter dem Dach auf. Besonders schön ist die kleine Tafel, die den wunderbaren Ausblick erklärt, den wir von hier auf die sanfte Hügellandschaft, ins Tal und in Richtung Sulzheim haben.

Den nächsten Abstecher lassen wir uns nicht entgehen, auch wenn er einen relativ steilen Aufstieg voraussetzt. Das Weinberghaus Perka, das 2011 eingeweiht wurde, ist das erste seiner Art aus ultrahochfestem Beton. Es ist ein gemeinsames Projekt der Fachbereiche Architektur und Bauingenieurwesen der TU Kaiserslautern und eines der ausgefallensten Wingerthäuschen in ganz Rheinhessen; definitiv das ausgefallenste, das wir auf allen Hiwweltouren gesehen haben.

Traumhafte Blicke und verwunschene Wege

Unser nächstes Ziel ist der Greifenberg. Der vereinzelte Baum mit der kugelrunden Baumkrone ist äußerst markant und uns schon mehrere Male zuvor auf dieser Tour ins Auge gestochen. Nun stehen wir unter ihm und genießen einen tollen 360-Grad-Rundumblick über die Hügel Rheinhessens bis in den Taunus. Ein Schild weist darauf hin, dass hier am Greifenberg römische Sarkophag-Funde gemacht wurden. Der Tisch des Weines eignet sich perfekt, um eine kleine Rast mit toller Kulisse einzulegen.

Der Wanderweg führt uns hinunter zu einer Hecke, deren Eingang ganz verwunschen wirkt. Fast fühle ich mich wie Alice, als ich hindurchtrete. Statt des Wunderlandes erwartet uns ein kleiner Pfad, der von Bäumen und Sträuchern gesäumt ist. Unter dem Schutz des dichten Blätterdaches herrscht ein ganz anderes Mikroklima. „Draußen“ ist die Luft aufgrund des Regens der vergangenen Nacht recht schwül, hier drinnen aber kann ich prima durchatmen.

Romantisches Rommersheim

Nach diesem kleinen Abenteuer hat uns die Zivilisation wieder. Gartenparzellen mit diversen Obstbäumen, gackernden Hühnern und kleinen Gartenhäuschen verraten, dass wir uns nahe einer Ortschaft befinden müssen. Und siehe da: kurze Zeit später stehen wir mitten im pittoresken Ortskern von Rommersheim.

Wir passieren den schattigen Kirchplatz und ich bewundere die vielen bunten Fachwerkhäuser, die unseren Wanderweg säumen. In Rommersheim gibt es gute Einkehrmöglichkeiten wie das Weingut Ullmer „Zum Woifässje“ oder das Restaurant „Zum Gläsernen Trinkhorn“, die am Wochenende ab Mittag geöffnet haben.

Jetzt geht es wieder hinauf in die Weinberge. Wir wandern hoch über den ziegelroten Dächern von Rommersheim. Auch so sieht das Dorf wirklich bezaubernd aus. Wir passieren Pferdekoppeln und erreichen das Rommersheimer Steinkreuz, das älteste steinerne Zeugnis des Ortes.

Eine wahre Weinwanderung

Inzwischen haben wir bereits einige Kilometer dieser Hiwweltour zurückgelegt und so erkennen wir markante Punkte am Horizont wieder, die wir hinter uns gelassen haben; den Burgunderturm zum Beispiel oder den kugelrunden Baum auf dem Greifenberg. Ein tolles Gefühl, auf diese Weise zu sehen, wie viel wir bereits geschafft haben!

Die Hiwweltour Neuborn ist wirklich eine wahre Weinwanderung. Zwar passieren wir zwischendurch auch ein paar Getreidefelder, tauchen aber nach wenigen Metern wieder in die Weinreben ein. Auf und ab führt uns der Wanderweg, wir lassen keinen „Hiwwel“ aus. Das Gefühl „mittendrin“ zu sein, ist hier ganz groß!

Ein letzter Abstecher

Bevor wir erneut in das Walderholungsgebiet Neuborn eintauchen und damit den Kreis dieser Hiwweltour schließen, machen wir einen letzten Abstecher. Anstatt nach links in Richtung Wald zu wandern, steuern wir geradeaus auf den Eichenhof zu.

Der familiengeführte Bio-Hof hält Schweine und verkauft im Hofladen selbstgemachte Wurst und andere Leckereien der Region. Wir decken uns mit reichlich Mitbringsel für Zuhause ein, schließlich liegt jetzt nicht mehr viel Wegstrecke vor uns, da kann der Rucksack ruhig etwas schwerer werden. Von den freundlichen Verkäuferinnen erhalten wir dann noch den Tipp, dass wir über den großen Hof laufen könnten, um uns den selbstangelegten Kräutergarten anzuschauen – gesagt, getan.

Zurück im Wald

Jetzt geht es für uns wirklich zurück ins Walderholungsgebiet, wenn auch nur für ein kleines Stück. Wir genießen die Stille, die nur vom Zwitschern der Vögel und dem leisen Plätschern der Neubornquelle unterbrochen wird. Letztere kommt nach gut acht Kilometer Wanderung wie gerufen. Mit dem herrlich kalten Quellwasser erfrischen wir unser Gesicht und unsere trockenen Kehlen.

Wenn es Euch nach einer ausgiebigeren Erfrischung dürstet, dann seid ihr in der Waldgaststätte Neuborn oder in der Gaststätte Neubornstuben bestens aufgehoben. Bei großer Hitze könnt Ihr die Hiwweltour Neuborn außerdem im Neubornbad ausklingen lassen und Euch dort im Wasser abkühlen.

So warm ist es heute leider nicht, deswegen kehren wir langsam zum Ausgangspunkt unserer Wanderung zurück. Die letzte der fünf neuen Hiwweltouren ist erwandert und ich kann mich gar nicht entscheiden, welche mir am besten gefallen hat, da jede auf ihre Art so unterschiedlich ist. Wahrscheinlich gefällt mir gerade das am besten!

 

 

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