Guntersblum. Domhof

28. September 2018

Auf dem RheinTerrassenWeg: Das lebendige Weindorf Guntersblum

Das kleine Weindorf Guntersblum mit etwa 4000 Einwohnern und einer architektonisch äußerst interessanten Kirche liegt idyllisch zwischen Rhein und RheinTerrassenWeg. Nachdem wir die kurzweilige Etappe „Mettenheim – Alsheim – Guntersblum“ mit ihren beeindruckenden Hohlwegpassagen und wunderschönen Ausblicken absolviert haben, nehmen wir uns Zeit, Guntersblum näher kennenzulernen. Und wie würde das besser gehen, als zu Besuch bei seinen Winzern und Gastgebern?

Weingut Domhof in Guntersblum

Unsere erste Station ist das Weingut Domhof, denn wir haben eine Mission! Wir müssen das Geheimnis des Kellermeisters lüften, seinen neu kreierten Tropfen stehlen, der gut versteckt in den Tiefen des Fasskellers lagert – und haben dafür nur 60 Minuten Zeit. Darum dreht sich zumindest das Erlebnis „GRAPE ESCAPE“, ein Escape Room, den Familie Baumann in ihrem Rotweinkeller angelegt hat. Die Flasche, die wir erfolgreich entwendet haben, dürfen wir im Anschluss verkosten.

Winzer Alexander Baumann bringt uns währenddessen die spannende Geschichte seines Weinguts näher. Nicht nur der Name Domhof selbst, auch das Petruswappen lässt auf himmlische Verbindungen schließen. Tatsächlich gehörte der Hof viele Jahre dem Domstift Worms. Nachdem unter Napoleon alle Kirchen im Staatsgebiet enteignet wurden, erwarb Baumanns Ur-Urgroßvater den Domhof im Jahre 1874. Seitdem ist er in Familienbesitz.

Die Mauern des Weinguts zeugen aber nicht nur von christlicher Vergangenheit. Alexander Baumann führt uns in sein Kelterhaus, der einstigen Synagoge von Guntersblum. Heutzutage sind nur noch die Frauenempore, der Eingang mit Inschrift, die ledergepolsterte Tür und der Toraschrein erhalten. Immerhin, denn die Nationalsozialisten wollten die Synagoge in der Reichspogromnacht niederbrennen. Das konnte aber durch ein beherztes Entgegentreten von Baumanns Urgroßvater verhindert werden.

Anschließend verweilen wir noch im idyllischen Weinaromagarten. Dieses Kleinod wirkt nicht nur wahnsinnig beruhigend, es leistet einen echten Beitrag zur Weinsensorik, denn hier kann man an typischen Aromen verschiedener Weinsorten schnuppern. Stellvertretend für den Riesling etwa sind Zitronenmelisse, Pfirsich und Orangenthymian angepflanzt; Waldmeister, Stachelbeere und Birne machen den Silvaner erfahrbar.

Tipp: Ihr seid mehrere Tage auf dem RheinTerrassenWeg unterwegs, habt aber keine Lust auf schwere Rucksäcke? Wenn Ihr im modernen „Schlafgut Domhof“ übernachtet, wird Euer Gepäck ganz unkompliziert zur nächsten Station transportiert. So könnt Ihr die Wanderung durch Rheinhessen mühelos genießen!

Burghof Oswald in Guntersblum

Wir hören den Burghof Oswald  noch bevor wir ihn sehen. Hier wird heute Hoffest gefeiert mit Musik, Tanz und natürlich Wein. Die alte fränkische Hofreite mit ihrem markanten Turm und dem 60 Jahre alten Nussbaum im Innenhof bildet die perfekte Kulisse für eine ausgelassene Feier.

Zwischen Tresen und Tanzfläche ist Einiges los. Dennoch nimmt sich Winzer Fred Oswald viel Zeit für seine Gäste. Sie kommen aus Rheinhessen, aber auch von weit her – aus Flensburg etwa oder aus dem Allgäu. Er erzählt, dass schon im 19. Jahrhundert der Wein seiner Familie an Liebhaber aus ganz Deutschland verschickt wurde, damals noch in Holzkisten, die mit Stroh ausgelegt waren.

Wir vermuten hinter dem Namen Burghof eine lange und alte Tradition – schon allein wegen des imposanten Wehrturmes über unseren Köpfen. Fred Oswald muss schmunzeln, denn der Turm ist fast das neueste Gebäude auf dem Hof. Sein Urgroßvater hat die Keller der Familie am Guntersblumer Kellerweg aufgelöst, unter unseren Füßen neu angelegt und darauf den Turm errichtet, um mit Windrad Energie zur Wasserförderung und Vorratshaltung zu generieren. Zugegeben, mit Rittern hat das nichts zu tun, diese Geschichte ist aber mindestens genauso beeindruckend!

Wir dürfen einen Blick in besagtes Souterrain werfen. Von modernster Kellertechnik bis hin zu klassischen Eichenholzfässern ist alles dabei. „Den Fässern geht’s übrigens am allerbesten, wenn Wein drin ist – so wie uns Menschen“, scherzt Fred Oswald. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen! Zurück unterm Nussbaum stoßen wir mit Burgunder und Silvaner, den Spezialitäten des Hauses, auf den rührigen Urgroßvater und das schöne Hoffest an!

Tipp: Das Hoffest im Burghof Oswald findet zwar nur einmal im Jahr statt, in Guntersblum ist aber immer etwas los. Die „vin-novativen Winzer“ haben sich zusammengeschlossen, um Euch ganzjährige ein buntes Programm an Hoffesten, kulturellen und kulinarischen Veranstaltungen zu bieten. Egal, an welchem Wochenende Ihr auf dem RheinTerrassenWeg wandert, in Guntersblum steht Ihr nicht vor verschlossenen Türen.

Restaurant und Landhotel Weingold in Guntersblum

Wir lassen den Abend im Restaurant und Landhotel Weingold ausklingen. Wie jeden Sonntag im Sommer lädt Küchenchef Herve Messmer auch heute zum Grillabend in den gemütlichen Hofgarten. Am großen Grill bereitet er Würstchen, Spieße und Kängurusteaks zu. Känguru in Rheinhessen? Wenn man die beiden Besitzer des Weingolds kennenlernt, überrascht das nicht mehr.

Stefanie Löb stammt aus Guntersblum, ihr Mann Dirk aus Australien. Vor 20 Jahren haben sie hier im Ort geheiratet und danach zusammen die Welt bereist: London, Wiesbaden, Sydney, das australische Outback, Frankfurt, Berlin. Und jetzt Guntersblum. „Die Deutschen wissen oft nicht, wie schön Ihr eigenes Land ist!“, stellt Dirk Löb immer wieder erstaunt fest. Sie wollten hier Wurzeln schlagen und eröffneten im März 2017 das Weingold – an einem Ort mit großer Gastgebertradition.

Seit 400 Jahren beherbergen die Räume des Weingolds eine Gaststätte, zuletzt den „Pfälzer Hof“. Der älteste Teil des Gebäudes wurde 1660 erbaut. Hier wurde Johann Philipp Kreißler geboren, ein Vorfahre des Automobil-Pioniers Chrysler. Stefanie und Dirk Löb haben es geschafft, im Restaurant- und Hotelbereich eine spannende Mischung aus Tradition und Moderne zu erschaffen – und ihren eigenen Fingerabdruck zu hinterlassen. So wachsen neben den alten Weinreben und Feigenbäumen im Garten jetzt auch Kiwis.

Auf der Weinkarte finden wir sowohl den Domhof als auch den Burghof wieder. Stefanie Löb ist begeistert, wie harmonisch das Miteinander in Guntersblum ist. Wenn eine Sorte Wein kurzfristig knapp wird, kommen die ortsansässigen Winzer spontan mit Nachschub vorbei. Ein Anruf genügt, auch wenn es spät ist. Diese unkomplizierte, herzliche Atmosphäre haben auch wir überall gespürt. Das Motto von Guntersblum – „Gäste werden zu Freunden“ – ist gut gewählt!

Tipp: Es muss nicht immer Wein sein! Das Weingold bietet eine tolle alkoholfreie Alternative mit Verjus, einem Saft, der aus unreifen Trauben gewonnen wird. Besonders nach einer langen Wanderung auf dem RheinTerrassenWeg sorgt der „Verjugo“, die rheinhessische Variante des „Hugo“, für Erfrischung und neue Energie!

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