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9. Juli 2020

Mit dem E-Bike das Wörrstädter Land entdecken

„Beim Radfahren lernt man ein Land am besten kennen, weil man dessen Hügel empor schwitzt und sie dann wieder hinuntersaust.“

Wir haben den weisen Rat von Ernest Hemingway befolgt und eine geführte E-Bike-Tour durch das Wörrstädter Land gebucht. Gemeinsam mit unserer Tourenleiterin Angelika Friedrich sind wir zu drei ganz unterschiedlichen Weinbergstürmen geradelt und können dem Schriftsteller nur zustimmen: Ja, so lernt man Rheinhessen wirklich gut kennen!

Ein guter Start mit dem E-Bike

Wir haben uns mit Angelika Friedrich in der Wörrstädter Touristinformation verabredet. Hier werden wir mit E-Bikes ausgestattet, die uns entspannt durch das rheinhessische Hügelland bringen werden. Jedes unserer Fahrräder trägt den Namen einer anderen Rebsorte und es sind Details wie dieses, die diesen Tag zu einem echt rheinhessischen Erlebnis machen – noch bevor wir auch nur einen einzigen Meter gefahren sind.

Es gibt verschiedene Touren unterschiedlicher Länge und Intensität, die von Wörrstadt aus in alle Himmelsrichtungen führen. Individuelle Wünsche können aber jederzeit berücksichtigt werden und so haben wir in Absprache mit Angelika Friedrich eine individuelle Route ganz nach unseren Wünschen festgelegt.

Charmantes Sulzheim

Nach einer kurzen Einweisung in die Funktionsweise der Räder geht es direkt los, zunächst ins benachbarte Sulzheim. Wir halten vor der kleinen Barockkirche St. Philippus und Jakobus, in die wir einen Blick hineinwerfen. Sie wird sowohl katholisch als auch evangelisch genutzt, und Angelika Friedrich erzählt augenzwinkernd, dass manche Sulzheimer zu beiden Gottesdiensten gehen, damit sie nichts verpassen.

Wir befinden uns im alten Ortskern und bestaunen die mit viel Liebe zum Detail erhaltenen Häuserfassaden sowie viele denkmalgeschützte Fachwerkgebäude, die teilweise bereits im 17. Jahrhundert gebaut wurden. Angelika Friedrich ist in Sulzheim aufgewachsen und schwärmt vom Ort, dem Wörrstädter Land und überhaupt dem rheinhessischen Lebensgefühl. Sie habe zwar auch eine Weile woanders gelebt, aber wirklich glücklich sei sie nur hier. Das sieht man ihr an!

Lebensraum Weinberg

Jetzt tauchen wir in die Weinberge ein. Unsere E-Bikes bringen uns mühelos die Hügel hinauf und hinunter, sodass wir uns ganz auf die wunderschöne Landschaft konzentrieren können. Auffällig ist, dass sich akkurat gepflegte Rebzeilen immer wieder mit wildwachsender Vegetation abwechseln. Und das mit voller Absicht!

Schon vor vielen Jahren wurden mitten in den Weinbergen Flächen für Naturschutz eingerichtet und so etwa sechs Hektar renaturiert, erzählt unsere Tourenleiterin. Pflanzensamen können sehr lange im Boden überleben, deshalb habe man einfach abgewartet, welche Gräser, Büsche und Sträucher sich hier wieder ganz natürlich entwickeln. Angelika Friedrich hat sogar Wildorchideen und Wildtulpen entdeckt.

Die Naturschutzflächen sind öffentlich zugänglich. Infotafeln geben Hinweise über jeweilige Besonderheiten. Wer auf den extra dafür angelegten Wegen bleibt, ist herzlich eingeladen, die „Wildnis“ samt Summen und Brummen auf sich wirken zu lassen.

Urgeschichte zum Anfassen

Wir haben den ersten Weinbergsturm unserer E-Bike-Tour erreicht und lassen den herrlichen Ausblick vom Schildbergturm auf uns wirken. Angelika Friedrich zeigt uns die wichtigsten Punkte am Horizont, von Mainz bis zum Donnersberg. Selbst die Frankfurter Skyline kann man an schönen Tagen wie heute erkennen.

Doch warum in die Ferne schweifen, wenn das Nahe noch beeindruckender ist? Wir erfahren, dass der Ur-Rhein vor 10 Millionen Jahren mitten durch das Wörrstädter Land führte. Und dann holt unsere Tourenleiterin eine kleine Dose aus ihrer Tasche. Sie ist bis oben hin mit 30 Millionen Jahre alten Urmeer-Muscheln gefüllt, die sie selbst ganz in der Nähe gesammelt hat. Die kalkigen Schalen sind ziemlich trocken, die Art und Weise mit der Angelika Friedrich uns Millionen Jahre Geschichte vermittelt, ist alles andere als das!

Das ABC der Winzer

Unser nächstes Ziel, der Vendersheimer Weinbergsturm, ist in der Ferne schon erkennbar. Bis dahin geht es erst einmal noch eine ganze Weile auf und ab. Dank E-Bike kein Problem! Wir lassen uns den Fahrtwind um die Nase wehen und halten auf etwa halber Strecke zwischen Sulzheim und Vendersheim erneut an.

Angelika Friedrich, die selbst in einem Obst- und Weinbaubetrieb aufgewachsen ist, erklärt uns den Aufbau eines Rebstockes sowie die wichtigsten Arbeitsschritte eines Winzers. Ziemlich spannend, dass sozusagen „am lebenden Objekt“ nachvollziehen zu können. Außerdem lernen wir, dass man die Bodenbeschaffenheit bei Wein, aber auch bei Spargel und Apfel herausschmecken kann.

Hoch über Vendersheim

Der kleine Weinort Vendersheim am Hang des Sonnenbergs empfängt uns mit dem 13-Uhr-Geläut der Kirchen. Um diese Zeit geht es für die Winzer und ihre Helfer traditionell nach dem Mittagessen zurück in den Weinberg. Und wie bestellt überholt uns prompt ein Traktor, der genau das vorhat.

Der Vendersheimer Weinbergsturm liegt unmittelbar am Ortsrand. Er ist deutlich höher als der Schildbergturm und doch können wir von diesem nur die Spitze erkennen. Im rheinhessischen Hügelland bleiben manche Täler aus manchen Perspektiven komplett im Verborgenen. Dafür blicken wir gemeinsam auf die Strecke, die wir schon zurückgelegt haben, und auf die, die noch vor uns liegt.

Stark, stärker, Stärkung

Auf dem Weg zu unserem dritten und letzten Weinbergsturm fahren wir zunächst nach Wallertheim und legen im wunderschönen Hof des Weinguts Kern eine wohlverdiente Pause ein.

Familie Kern begrüßt uns mit einem strahlenden Lächeln und einer üppigen Brotzeit, die keinerlei Wünsche offenlässt. Wir genießen knusprige Brötchen, eine erlesene Wurst- und Käseauswahl, leckere Salate, frische Früchte und einen fluffigen Käsekuchen. Dazu gibt es kühles Wasser mit Limetten und einem Schuss Tonic Water, das nach mehreren Kilometern auf dem E-Bike eine echte Offenbarung ist.

Wenn man es wünscht, bringt Familie Kern die Stärkung auch zum Tisch des Weines an den Weinbergsturm. Wir sind aber sehr froh, das herzliche Ambiente des Weinguts kennengelernt zu haben. Wir kommen wieder! Das nächste Mal dann ohne E-Bike zur Weinprobe.

Ein Stück Hiwweltour

Bestens gelaunt schwingen wir uns wieder auf den Sattel und treten die Weiterfahrt an. Der nächste Abschnitt führt mitten durch Getreidefelder, vorbei an Obstplantagen und schließlich erneut hinauf in die Weinberge.

Wir treffen hier auf die Hiwweltour Neuborn. Der zertifizierte Prädikatsrundwanderweg mitten durch das Wörrstädter Land ist eine wunderbare Alternative, für alle die diese Region lieber auf zwei Beinen als auf zwei Rädern entdecken möchten. Wobei das eine das andere natürlich nicht ausschließt.

Zu unserer Linken liegt das architektonisch spannende Weinbergshaus Perka, ein Versuchs- und Forschungsgebäude der Technischen Universität Kaiserslautern, das aus hochfestem Beton gegossen wurde. Zu unserer Rechten blicken wir auf den Greifenberg mit seinem markanten Baum auf dem Gipfel. Ein wunderbares Fotomotiv!

Der strahlende Abschluss der E-Bike-Tour

Der dritte und letzte Turm unserer E-Bike-Tour strahlt uns schon von Weitem entgegen. Und zwar in einem leuchtenden Burgunder-Rot. Zum letzten Mal klettern wir die Stufen hinauf und werden auch auf dem Wörrstädter Burgunderturm mit einem tollen Ausblick belohnt.

Mitten im Wald können wir das Neubornbad ausmachen. Angelika Friedrich schwärmt von dem zwar kühlen, aber sehr sauberen Quellwasser, das dieses Bad speist.

Nach etwa drei Stunden geben wir unsere E-Bikes wieder ab und verabschieden uns von unserer Tourenleiterin, die uns ihre Heimat auf äußerst herzliche, spannende und humorvolle Art nahegebracht hat.

Tipp: Wer möchte, kann die E-Bike-Tour mit einer anschließenden Weinprobe bei einem Wörrstädter Winzer kombinieren und so die Vorzüge dieser schönen Region noch ein wenig besser kennenlernen.

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