6. September 2017

Lieblingsbank auf dem Laurenziberg

Sind wir doch mal ehrlich: Das Schönste beim Wandern ist eine Bank am Wegrand, oder? Du stapfst einen Berg hoch, Dein Puls klettert mit in die Höhe, der Schweiß rinnt die Schläfen runter…und exakt in diesem Moment kommt eine Bank in Sicht. Es gibt kaum schönere Momente beim Bergwandern. Egal, ob es sich um Hochgebirgstouren oder Hiwweltouren in Rheinhessen handelt.

Bänke stehen im rheinhessischen Hügelland natürlich jede Menge im inzwischen auf viele, viele Wander-Kilometer gewachsenen Wegenetz. Alte und neue, designte und einfache, bequeme und praktische, mit Blick ins Weite und über Weinberge.

Auf den ersten Blick ist die Bank, von der hier die Rede ist, von ihren Kollegen, den coolen, geschwungen, modernen Ruhebänken an den Hiwweltouren, wo Du sogar die Füße hochlegen und Dich dabei im siebten Wanderhimmel fühlen darfst, tatsächlich Wanderjahre entfernt.

Meine Lieblingsbank im Rheinhessischen punktet mehr mit inneren Werten. Oder treffender gesagt mit ihrem Drumherum: Standort, Blick und Weg, an dem sie aufgefädelt steht, wie ein roher Diamant. Eine echte Bank der Herzen. 😉

Dreibächeweg Laurenziberg Bank
Bank der Herzen – meine Lieblingsbank auf dem Laurenziberg an einem frühen Spätsommermorgen. (c) Heike Tharun

Laurenziberg – ein Stück Himmel im Hügelland

Meine Lieblingsbank steht mitten in den Weinbergen des Laurenzibergs. Südöstlich des gleichnamigen schnuckeligen Bergdorfes, nur 15 Autominuten vom Rhein entfernt.

Der Laurenziberg ist ein für Rheinhessen charakteristischer Tafelberg. Mit rund 270 Metern eine Erhebung im Terrain, die dem Begriff Hiwwel, wie die Berge in Rheinhessen heißen, alle Ehre macht.

Er hat nicht nur ein auslandendes, mit viel Himmel überwölbtes Plateau, sondern auch eine einmalige Lage mitten in einer kleinen, feinen Hiwwelwelt am nördlichen Rand der Region.

Das hiwwelige Auf und Ab verdankt dieses Terrain drei Wasserläufen: Welzbach, Eckelsbach und Dünbach.

Die Täler, die sie im Laufe der Erdgeschichte geformt haben, machen den Charme der Landschaft am Laurenziberg aus.

Meine Lieblingsbank steht gleich oberhalb von Zweien: dem Welzbachtal und dem Dünbachtal.

Dreibächeweg Laurenziberg Dünbachtal
Blick ins Dünbachtal. (c) Heike Tharun

Flecken Erde mit Fernblick

Von meiner Lieblingsbank aus, siehst Du die Geographie Rheinhessen quasi konzentriert auf einem Flecken: Berge, Täler, Weinberge, Weiden, Wiesen, Wälder und Felder.

Dir zu Füßen breitet sich ein anmutiges Stückchen Erde aus: eine sanfte, weitgedehnte Senke überzogen mit einer abwechslungsreich gemusterten Naturdecke, die sich auf der anderen Seite des Welzbachs weiter die Hänge des gegenüberliegenden Westerbergs hinaufzieht.

Je nach Jahreszeit stehen die schräg gegeneinander gesetzten Weinbergs-Schraffuren für sich in einem reizvollen Hell-Dunkel-Kontrast oder sind durchsetzt mit rapsgelben Flächen, goldenen Getreidemustern oder mit Indian-Summer-Farben wärmendem Rebenlaub. Dazwischen die Linien der die Bachufer säumenden Weiden und Pappeln und die Tupfen der Apfel-, Kirschen- und Pflaumenbäume auf den Wiesen.

Richtest Du den Blick in die Ferne, lässt ihn zu den Seiten schweifen erkennst Du die Nachbarberge im nördlichen Rheinhessen, unmittelbar gegenüber die Hänge des Westerbergs Am nordöstlichen Horizont lugen sogar der Taunus und die Spitze von Feldberg und Hochkönig hervor.

Okay, Heike, genug geschwärmt. Rück’s endlich raus: Wie komme ich zu „Deiner“ Herzens-Bank?

Am schnellsten geht’s mit dem Auto über die schmale, verträumte Landstraße den Laurenziberg hoch.

Abwechslungsreicher, intensiver und erlebnisreicher wird es, wenn Du zu Fuß dort hin wanderst.

Dreibächeweg Laurenziberg
Blick vom Westerberg auf den Laurenziberg. (c) Heike Tharun

Der Wanderweg zur Wanderbank

Wie es sich für eine rheinhessische Wanderbank gehört, steht auch meine Lieblingsbank natürlich an einem rheinhessischen Wanderweg.

Der lokale Dreibächeweg ist eine kurzweilige 11 Kilometer lange Wanderung, um und über den Laurenziberg. Diese startet und endet in Gau-Algesheim. Seine Wegmarke zeigt drei blaue geschwungene Linien, die seine Namensgeber symbolisieren.

Wegmarke des Dreibächewegs. (c) Heike Tharun

Der Dreibächeweg knüpft an das Ausguckerlebnis auf meiner Lieblingsbank an und ergänzt es zu ihren beiden Seiten mit noch mehr einmaliger rheinhessischer Landschaft, weiteren Weitblicken und vor allem kulturgeschichtlich Sehenswertem.

Los geht’s am historischen Graulturm in Gau-Algesheim. Er ist der einzig erhalten gebliebene Teil der um 1350 in der Amtszeit des damaligen Schultheißen Peter Gruele errichteten Stadtmauer.

Der Weg verläuft durch die schmucke Gau-Algesheimer Altstadt und passiert das Rheinhessische Fahrradmuseum. Danach verlässt er den Ort.

Ungefähr auf der Hälfte der Wegstrecke, nach einem sanften Aufstieg aus dem Dünbachtal hinauf wartet am Ortsrand des Bergdorfs Laurenziberg meine Lieblingsbank auf Dich.

Am anderen Ende der Ortschaft steht die dem Heiligen Laurentius gewidmete Laurenzikirche. Die Geschichtsschreiber erwähnen 767 n. Chr. erstmals eine Kirche an diesem Ort. Das heutige barocke Wallfahrtskirchlein wurde 1707 bis 1717 erbaut und steht im Frühling auf einer wunderschönen Gänseblümchenwiese.

Dreibächeweg Laurenziberg Wallfahrtskirche
Die Wallfahrtskirche St. Laurenzi. (c) Heike Tharun

Exakt an dieser Stelle kommt der rheinhessische Jakobsweg aus dem Eckelsbachtal hoch. Hier ein steiler, schmaler Pilgerweg, der seit Jahrhunderten traditionell bei Wallfahrten über die drei heiligen Berge Rheinhessens gegangen wird.

Die genaue Wegbeschreibung zum Dreibächeweg steht auf der Gau-Algesheimer Website.

Wenn Du mich jetzt fragst, …

…bei welchem Wetter und zu welcher Jahreszeit ich einen Wanderung zu meiner Lieblingsbank auf dem Laurenziberg empfehle, dann antworte ich: Der Laurenziberg ist ein typisch rheinhessischer Wetterberg!
Die tausend Varianten rheinhessischen Himmelblaus kommen an einem Sonne-Wolken-Tag mit einer leichten Brise am besten rüber.
Wegen der Farben lege ich Dir die Jahreszeiten Frühling, Indian-Summer und Herbst ans Herz.

…wo Du einkehren kannst, dann empfehle ich Dir: die Gutsschänke und Straußwirtschaft „Im alten Kornspeicher“ in Laurenziberg, Eva Eppards Hundertguldenmühle im einen Katzensprung entfernten Appenheim und das Eis-Cafè Napolitano am Markt in Gau-Algesheim.

… wo Du im nördlichen Rheinhessen noch bergwandern kannst, dann fallen mir spontan die Hiwweltouren Bismarckturm und Westerberg ein. Auf beiden Wegen erkundest Du den Westerberg in der Nachbarschaft und wechselst die Perspektive: Von beiden Routen aus bekommst Du einen ganz neuen Blick auf meine Lieblingsbank und auf diesen wunderbaren Flecken Erde am Laurenziberg.

Viel Spaß beim Gucken, Erkunden und Entdecken!

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