19. August 2019

Glücks-Cafés in Rheinhessen

Schöne Cafés gibt es viele, aber nur wenige berühren das Herz. In drei kleinen Ortschaften mitten in Rheinhessen habe ich genau solche gefunden. Cafés, in denen der Kaffee und Kuchen noch schmeckt wie bei Oma, in denen die Zeit still zu stehen scheint und in denen die Atmosphäre einzigartiger nicht sein könnte. Auf einen Kaffee in meinen ganz persönlichen Glücks-Cafés…

Kleine Auszeit bei Opa Erni und Oma Illi

Ein Platz zum Genießen: Café Erni & Illi in Nierstein

Liebe auf den ersten Blick ist es, als ich mitten auf dem Niersteiner Marktplatz das kleine Café Erni & Illi entdecke. Das schnuckelige Fachwerkhäuschen, beschattet von einer uralten Eiche, ist schon von außen ein Hingucker, doch beim Betreten offenbart sich sein wahrer Charme. Ich fühle mich wie in Omas Wohnzimmer, nur mit mehr Tischen und einer Theke, und der Duft frisch gebrühten Kaffees verstärkt noch mein Wohlgefühl. Fünf köstlich aussehende Kuchen – alle von den Besitzern selbst gebacken – stehen in der Auslage und machen die Wahl zur Qual. Ich entscheide mich für einen Apfel-Pudding-Kuchen und aufgrund der heißen Temperaturen ausnahmsweise für eine erfrischende Limonade.

Hausgemacht! Apfel-Pudding-Kuchen

Dann setze ich mich vor die Tür. Der Blick in die Karte verrät mir das Angebot dieses idyllischen Plätzchens: Drei verschiedene Türmchen-Frühstücke, benannt nach den drei Niersteiner Türmen in den Weinbergen, belegte Brote „wie bei Muttern“ sowie täglich wechselnde Snacks für den kleinen Hunger am Mittag und – natürlich nicht zu vergessen –  immer frisch gebackenen Kuchen.

Ein Hoch auf die Liebe

Die Liebesgeschichte von Opa Erni und Oma Illi, nach denen dieser wundervolle Ort benannt ist, ist ebenso romantisch wie das Café selbst. Ernst und Ilse, wie sie eigentlich hießen, waren die Großeltern von Inhaberin Claudia Baierl. Sie lernten sich damals in der Konditorei ihrer Oma kennen und nachdem „Erni“ ein Stück Kuchen nach dem anderen aß, um ihr aufzufallen und sie ihm kaum ein Stück davon berechnete, damit er wiederkam, war klar, die beiden würden einmal heiraten. Und sie waren es 64 Jahre lang! Kein Wunder also, dass ich mich an meine eigene Oma erinnert fühle und dazu neige, gleich noch ein Stück Kuchen zu bestellen, nur um diesen Ort nicht zu schnell zu verlassen.

Innen so schön wie außen

Lass sich die Welt draußen weiterdrehen

Weiterziehen heißt aber auch Neues entdecken und so betrete ich nur wenige Tage später das Blums Café in Nieder-Olm.  Ich bin auf Anhieb verzaubert. Es scheint, als ob sich die Uhren hier langsamer drehen, als ob dieser Ort dafür sorgt, trotz aller Hektik plötzlich Zeit für eine Pause zu haben. Ich setze mich an einen der liebevoll gedeckten Tische, der Dielenboden unter meinen Füßen knarrt und ich lehne mich zurück.

Der Duft frisch gemahlenen Kaffees liegt in der Luft

Es ist eine ganz besondere Atmosphäre, die dieses 200 Jahre alte, denkmalgeschützte Bauerhaus versprüht. Ein bisschen Vintage, ein bisschen Shabby chic, alles mit einem Hauch skandinavischer Leichtigkeit kombiniert – selten wirkt der heute so beliebte Einrichtungsstil so authentisch wie hier. „Kein Kuchen ist auch keine Lösung“ steht auf einem Schild über der Kuchen-Theke und beim Anblick der süßen Verführungen kann ich diesen Satz nur unterschreiben. Ich wähle ein Stück Torte. Fünf Backfrauen backen für das Café – immer frisch und mit viel Liebe. Das schmeckt man.

Platz an der Sonne – die kleine Außenterrasse von Blums Café

Michaela Blum ist dieser Wohlfühl-Ort zu verdanken. Was einst als kleiner Blumenladen in einem Raum des ehemaligen Bauernhauses begann, hat sich durch Glück und Fügung zu dem entwickelt, was es heute ist: ein wahres Lieblings-Café (nicht nur für die Redakteure des Sweet Dreams Magazins, die das Café Blums als solches ausgezeichnet haben). „Es kommen viele Gäste, die sich hier eine kurze Auszeit von ihrem Alltag nehmen, weil sie hier in eine andere Zeit eintauchen“, sagt Michaela Blum. Ob es an dem Haus an sich liegt oder an der Idee, in ihren ursprünglichen Floristik-Dekoration-Laden ein Café zu integrieren, weiß sie selbst nicht. Es ist aber auch egal, denn was zählt, ist das einzigartige Gefühl, das man an diesem Ort hat.

Unperfekt kann manchmal so schön sein!

Auch ich kann mich nicht entscheiden, in welche der beiden Etagen ich mich mehr verliebt habe: In das Café mit seinem köstlichen Angebot – von Frühstück über Kuchen und Torten bis hin zu kleinen Snacks –  oder in den Laden, der ein Traum für Dekorations-Liebhaber(innen) ist. Gott sei Dank muss man sich im Leben nicht immer entscheiden und so verlasse ich – nur höchst ungern – diesen Ort mit einem Satz im Ohr, den ich im Laden entdeckt habe und der nicht besser hierher passen könnte: Wenn du es eilig hast, lass dir Zeit.

Ein Dekorations-Paradies im 1. Obergeschoss

Café im Blumenmeer

Mit Zeit und großer Vorfreude fahre ich nach Flörsheim-Dalsheim. In der beschaulichen Weinbaugemeinde im schönen Wonnegau befindet sich das Café Augenwaide. Der Name verspricht viel und so bin ich gespannt, was sich hinter dem Haus mit den blauen Klappläden verbirgt. Als ich durch das Eingangstor trete, erwartet mich kein Café, sondern ein Meer blau-weiß-lila-blühender Hortensien, das fließend in die Farbenpracht bunt leuchtender Sommerblumen übergeht.

Nur nachmittags geöffnet – die Gartenterrasse vom Café Augenwaide

Mit jedem Schritt tauche ich weiter ein in dieses Paradies aus Blumen, Dekorationsartikeln und Präsenten, in dessen Mitte sich das Café versteckt. Es ist kein gewöhnlicher Blumenladen und erst recht kein gewöhnliches Café. Es ist – wie der Name sagt – eine Augenweide. Jeder Raum dieses ehemaligen Winzerhofes ist ein kleines Highlight für sich. Pflanzen und Blumen werden hier nicht wie üblich nach Sorte sortiert und in Reih und Glied präsentiert, vielmehr werden sie liebevoll arrangiert, farblich abgestimmt kombiniert und mit Liebe zum Detail dekoriert. Ein Traum für jeden Blumen-Liebhaber.

Die alte Kuhkapelle ist einer der schönsten Räume in der Augenwaide

Ich setze mich an einen der kleinen runden Tische und bestelle einen Kaffee. Mein Blick schweift über den Garten, der sich an die alten Gemäuer anschließt. Es ist wohl das idyllischste Café, in dem ich je gesessen habe. Alles ist auf eine wundervoll natürliche Weise perfekt: saftig grüner Rasen, mit prachtvollen Stauden bewachsene Hänge, romantisch verschlungene Wege, die bis in die hintersten Ecken des Grundstücks führen und ein Teich, der dieses paradiesische Kleinod einzigartig macht. Das Stück Torte auf meinem Teller ist köstlich- auch hier schmeckt man das Selbstgebackene -, doch ich muss zugeben, die bezaubernde Atmosphäre lenkt mich ein wenig von meinem Geschmackserlebnis ab. 

Natürliche Perfektion! Der Garten des Café Augenwaide

Mir geht es nicht alleine so, denn in jedem Winkel dieses Anwesens höre ich bewundernde Stimmen: „Es ist so schön hier! Es ist einfach ein Traum“. Als ich mich endlich von meinem Platz im Garten losreiße, ist mein einziger Trost, dass ich auf dem Rückweg noch einmal durch die gleichen Räume gehen darf. Mit einer großen Steige buntblühender Pflanzen, ein paar kleineren Deko-Accessoires und der sicheren Gewissheit, dass ich hier nicht zum letzten Mal gewesen bin, trete ich durch das Tor. Café Augenwaide – passender könnte der Name nicht sein.

Kommentare

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  1. Zauberhafte Einblicke in aussergewoehnliche Cafes, vielen Dank!

    1. Tanja Espenschied

      Gerne. Mir hat die Recherche sehr große Freude bereitet und ich hoffe, noch weitere "Glücks-Cafés" in Rheinhessen zu finden. Ich bin sicher, es gibt noch viel mehr ...

  2. Hallo, ich habe auch ein persönliches Glücks-Café und zwar das Café Eckstein in Stein-Bockenheim, für mich immer wie Urlaub, wenn ich dort bin. LG Stefanie

    1. Tanja Espenschied

      Danke für diesen tollen Tipp. Das Café Eckstein sieht wirklich sehr schön aus.

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