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18. Februar 2021

Mainz ohne Dom ist nicht Mainz: Mit dem Direktor des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums durch den Mainzer Dom

Der Mainzer Dom ist nach dem Dom zu Speyer und vor dem Wormser Dom der älteste monumentale Gewölbebau Deutschlands. Auf die Grundsteinlegung im Jahr 975 folgte im Laufe der Jahrhunderte eine wechselvolle Baugeschichte. Sie formte die imposante Kirche aus rotem Sandstein zu dem, was sie heute ist: das Wahrzeichen und ein Stück Identität der Stadt Mainz.

Mainz Dom und Dommodell

Erbaut wurde der Dom zu Mainz vor über tausend Jahren als Krönungskirche des Reiches und als Ebenbild des alten Petersdoms in Rom. Der einst als dreischiffige romanische Pfeilerbasilika konzipierte Bau war im Heiligen Römischen Reich der Sitz des zweiten Mannes im Staate. Von hier herrschten der Erzkanzler und der Leiter des Kurfürsten-kollegs. Der Mainzer Dom ist das Highlight und Herzstück der Stadt Mainz. Ich bin verabredet mit Dr. Winfried Wilhelmy dem Direktor des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums Mainz. Er wird mich durch das Gotteshaus und das Museum hinter den rötlichen Sandsteinmauern führen.

Auf den Spuren der Geschichte in Mainz

Das Dommuseum liegt in den ehemaligen Kapitelsälen und im ursprünglichen Kreuzgang des Mainzer Doms. Hier im Kreuzgang treffe ich Dr. Wilhelmy. Wir wandeln im wahrsten Sinne des Wortes auf den Spuren der Geschichte. Der Boden unter unseren Füßen besteht zum Teil aus alten Grabsteinen. Sie sind Zeugen der früheren Bestimmung dieses Ortes. Der Kreuzgang war eine Begräbnisstätte und gleichzeitig eine Verbindung zwischen den Kapitelsälen und der Kirche.

Die Sandsteinwände sind durch große Fensterbögen zum Innenhof hin offen, dennoch spüre ich bereits die Kühle und die Ruhe, die die dicken Mauern ausstrahlen. Den geschäftigen Markt auf der anderen Seite der Steine habe ich ganz hinter mir gelassen.

„Seit Jahrhunderten geht’s irgendwie weiter“

Wir nähern uns der Kathedrale und betreten auf dem Weg den Lieblingsort von Dr. Wilhelmy, die Memorie. Diese ist Bestandteil des Westflügels des Kreuzgangs. In den ersten Jahren nach 1200 war hier ein Kapitelsaal mit Charakter eines Versammlungsraums. Viel präsenter ist dieser Raum Dr. Winfried Wilhelmy als Begräbnis- und Gedenkstätte der Toten.  Daher kommt auch der Name: Memorie. Dr. Wilhelmy erklärt mir seine Faszination für diesen Teil des Doms: „Er atmet eben dieses Totengedenken, das ich aber so sehr anrührend finde, weil man da einfach diese Abfolge von Leben und Sterben wie an keinem anderen Ort innerhalb des Doms nachverfolgen kann.“ Ich folge seinen Worten und merke, dass der Gedanke an den Tod an diesem Ort gar nicht so beängstigend ist. „Ich finde es einen sehr tröstlichen Gedanken, in diesem Raum zu stehen und zu wissen, man ist der Teil eines Ganzen. Aber irgendwie geht das Leben schon weiter“, so beschreibt es Dr. Wilhelmy. Ich kann ihm dabei nur zustimmen.

Mein Blick schweift durch den fast quadratischen Raum. Dass es immer weiter geht, dafür steht sinnbildlich die Architektur der Memorie. Auf der einen Seite befindet sich ein großes romanisches Portal. Dieser Zeitzeuge der ersten Stunde ist inzwischen zugemauert worden. Dafür befindet sich gegenüberliegend ein gotisches Portal, das von der nächsten Bauphase des Mainzer Doms und einer anderen Epoche zeugt.

Der Mainzer Dom ist neben Speyer und Worms einer der drei Rheinischen Kaiserdome. Als solcher dokumentiert er die über tausend Jahre lange Historie des Deutschen Reiches. In seiner Geschichte erlebte er einige Brände und Zerstörungen. Der Dom wurde immer wieder mit neuen architektonischen Grundzügen erneuert und ergänzt. Umso beeindruckender, dass im Mainzer Dom so eine Fülle an Objekten, Grabplatten, Kanzeln, Statuen und Gemälden erhalten ist. Diese Sammlungen machen ihn zu etwas Einzigartigem, berichtet mir Dr. Wilhelmy.

Über das gotische Portal betreten wir den Dom. Durch die Buntglasfenster fallen farbige Sonnenstrahlen an die hellen Sandsteinwände.

Zu Gast in den heiligen Hallen

Ich bin überwältigt von der Ruhe sowie der Größe und Weitläufigkeit der Kathedrale. Während der Messe am Abend werden diese Hallen wieder mit Leben gefüllt sein.

Wir schlendern durch den Dom und Dr. Wilhelmy erzählt mir von der großen Bedeutung der Kathedrale für Mainz. Wenn Wochenmarkt ist, dann versammelt der Mainzer Dom alle Bürger und Interessierten um sich herum. „Er ist das Herz der Stadt. Mainz ohne Dom, ist nicht Mainz.“

An jeder Ecke des Doms wird die lange Geschichte und die Verbundenheit mit der Stadt deutlich. In den bunten Fenstern erkenne ich aus der Nähe die Nennung aller bisherigen Erzbischöfe. Jeder ist in einem eigenen bunten Quadrat namentlich mit Daten und einer kleinen Skizze erwähnt.

Der Hauptaltar bildet das Zentrum und den Blickfang des Doms. Zu Recht, denn er ist eine kleine Besonderheit. Ungewöhnlicherweise ist der Hauptaltar nach Westen ausgerichtet und nicht nach Osten. Dies liegt an seinem Vorbild, dem Papstaltar im alten Petersdom in Rom.

Der lebendige Domschatz

Unser Weg ins Museum führt uns vorbei am Domschatz. Die Sammlung ist in gut ausgeleuchteten Glasvitrinen ausgestellt. Schwarze Tafeln und Hintergründe bilden einen modernen Kontrast zu den rötlichen Sandsteinmauern.

Dr. Wilhelmy erklärt mir, dass hier Stücke mit jahrhundertealter Geschichte zu finden sind. Einige Objekte sind noch nicht so alt und auch immer noch im Gebrauch der Erzbischöfe des Doms. Das ist auch der Grund, warum der Domschatz als lebendig und wachsend bezeichnet wird.

Das Bischöfliche Dom- und Diözesanmuseum des Mainzer Doms legt die fast 2000-jährige Geschichte des Erzbistums Mainz dar und zeigt Malereien, Skulpturen, Schatzkunst und Tapisserien. Darunter sind Skulpturen des Naumburger Meisters aus dem 13. Jahrhundert, Möbel von Abraham Roentgen des 18. Jahrhunderts oder Gemälde von Lukas Cranach. Dr. Wilhelmy liebt besonders den Umgang mit den beeindruckenden Exponaten.

„Er wird schon die richtige Richtung wissen.“

Ehrfürchtig präsentiert mir der Direktor des Museums sein Lieblingsexponat. Es ist ein kleines Händefragment, das um 1239 vom Naumburger Meister für die Auferstehungsplatte des Westlettners im Dom gearbeitet worden ist. Beim Abbau des Lettners gelangten Bruchstücke in den Boden, darunter dieses Fragment, welches erst Jahre später wiedergefunden wurde.

Erst mit der Erklärung von Dr. Wilhelmy begreife ich die Geschichte hinter dem Händefragment. Es zeigt zwei ineinandergreifende Hände. Die Hand eines Auferstehenden, die sich vertrauensvoll von der Hand eines Engels zur Paradiespforte lenken lässt. „Er wird schon die richtige Richtung wissen“, interpretiert Dr. Wilhelmy das Exponat. Das Vertrauen und die Zuversicht, die diese in Stein gemeißelten Hände ausstrahlen, sind erstaunlich und ziehen auch mich in den Bann des kleinen Ausstellungsstücks.

Das Exponat könnt Ihr neben vielen anderen in der neugestalteten Abteilung Früh- und Hochmittelalter des Diözesanmuseums betrachten.

Während ich über den Kreuzgang den Dom wieder verlasse, schaue ich noch einmal zurück und lasse die Ruhe auf mich wirken. Ich kann jetzt noch einmal mehr verstehen, warum Dr. Wilhelmy in unserem Gespräch immer wieder betonte, der Dom atme Geschichte und sei als Herz der Stadt gar nicht mehr wegzudenken.

Wenn Ihr die Ruhe des Doms außerhalb der Gottesdienstzeiten erleben wollt, dann erfahrt Ihr auf der Webseite des Bistums Mainz, wann der Dom geöffnet ist. Die Öffnungszeiten und alle weiteren Informationen zur Sammlung und aktuellen Ausstellungen findet Ihr auf der Webseite des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums.

Stadtrundgänge unter Corona-Bedingungen
Die aktuellen Bedingungen machen sich auch bei diesem Thema bemerkbar. Museen sind bis auf Weiteres geschlossen. Dennoch ist das Thema erlebbar, denn der Dom ist unter Beachtung bestimmter Vorgaben geöffnet. Diese und weitere Informationen findet Ihr hier.

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