11. Juni 2018

Bühne frei für die jungen Winzer und den Rheinhessenwein

Die Weingläser klingen, gesellige Live-Musik und Stimmengewirr erfüllen die Rheinpromenade zwischen Mainzstrand und dem Brückentor der einstigen Stadtbefestigung. Die Tische sind schnell besetzt und die Plätze auf dem breiten Beckenrand des Kurfürstenbrunnens mit großer Fontäne sind ebenso begehrt. An jedem ersten Dienstag zwischen April und September öffnen auf diesem Platz ab 17 Uhr die Jungwinzer aus Rheinhessen ihre besten Weine für die After-Work-Party „Mainzer Weinsalon“ – ein Treffpunkt für viele Mainzer, der auch die Gäste der Stadt anzieht.

Mainzer Weinsalon. Foto Karl Weller. Weinglaeser
Mainzer Weinsalon. Foto: Karl Weller

Zwischen den Eckpfeilern des Brückentors, das 200 Jahre lang der offizielle Eingang in die Stadt war, prangt der Mainzer Kurfürstenzyklus. Dargestellt sind die sieben Kurfürsten König Ludwig der Bayer, die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier, der König von Böhmen, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen und der Markgraf von Brandenburg. Was hier in Beton gegossen ist, hütet das Landesmuseum in der Großen Bleiche im Original aus Zinn. Auch dort veranstalten die Jungwinzer an jedem dritten Dienstag in der Saison den „Weinsalon“ im Innenhof.

Mainzer Weinsalon Kurfuerstenzyklus Karl Weller
Kurfuerstenzyklus. Foto: Karl Weller

Die Kurfürsten wussten den edlen Tropfen schon genauso zu schätzen, wie wir es heute tun, denn die Tradition des Weines ist so alt wie die Geschichte der Stadt. Heute sind Mainz und Rheinhessen – die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz und die größte Weinbauregion Deutschlands – Mitglied im Great Wine Capitals Global Network und damit die exklusive deutsche Vertretung des internationalen Netzwerkes.

Mainzer Weinsalon. After Work. Foto: Karl Weller
Foto: Karl Weller

Die jungen Winzer Rheinhessens führen die über Generationen auf den Weingütern gepflegte Tradition weiter und verknüpfen sie mit ihren frischen Ideen rund um den Wein. Der Mainzer Weinsalon vereint Jungwinzer aus 20 rheinhessischen Weingütern. Sie unternehmen viel zusammen, tauschen ihre Ideen rund um den Wein aus und bilden sich weiter. Übers Jahr treten sie auf vielen Veranstaltungen gemeinsam auf und sind stolz auf die vielen Besucher der After-Work-Partys, mit denen sie dem Rheinhessenwein die Bühne geben, die er verdient hat.

Mainzer Weinsalon. Philipp Räder. Foto: Karl Weller
Philipp Räder. Foto: Karl Weller

Einer von ihnen ist Philipp Räder, Weinbautechniker, Junior vom Weingut Bernhard Räder in Flomborn und Vorstandsmitglied vom „Mainzer Weinsalon“. „Tradition bewahren und sich dem Neuen öffnen, das ist das Motto unseres Weingutes, auf dem drei Generationen Hand in Hand arbeiten und neuen Ideen rund um den Wein aufgeschlossen sind“, sagt er. Eine solche Idee ist die ökologische Bewirtschaftung der Weinberge, die dazu führte, dass heute alle Weine das Bio-Siegel tragen. Philipp Räder ist auf dem Weingut für die Gestaltung der Weinlinien verantwortlich und probiert neben dem Ausbau der klassischen Rebsorten wie Müller-Thurgau, Riesling und Spätburgunder Neues aus. Dazu gehören ein frischer grüner Sauvignon Blanc und im Holzfass gereifter Chardonnay und Silvaner.

Mainzer Weinsalon. Foto: Karl Weller. Feiern am Brunnen
Mainzer Weinsalon. Foto: Karl Weller

Das Thema „Wein“ ist in Rheinhessen schon lange keine Domäne der Männer mehr. Ein Beispiel dafür ist die junge Katharina Faust aus Siefersheim, die als rheinhessische Weinprinzessin 2010 Aufsehen erregte, als sie auf einem Elefanten über die Weinbergslage „Goldenes Horn“ ritt. Ihre Affinität zu den Dickhäutern mag mit ihrem Durchsetzungsvermögen zu tun haben mit dem sie die „Vino Generation“ gründete. Dieser Verein der Jungwinzer gestaltet an acht Donnerstagen in den Sommermonaten den schon legendären Treffpunkt „Feieroomend“ in den acht Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde Wöllstein mit erlesenen Weinen und rheinhessischen Köstlichkeiten. Das Weinfest „Feieroomed“ trägt das Gütesiegel „Rheinhessen Ausgezeichnet“.

Mainzer Weinsalon. Alina Hammer. Foto: Karl Weller
Alina Engel. Foto: Karl Weller

Alina Engel vom Weingut Meyerhof in Flonheim und 2. Vorsitzende beim Mainzer Weinsalon, erklärt die Erfolgsgeschichte der Veranstaltung: „Auf einer After-Work-Party sind mindestens sieben Weingüter dabei. So teilen wir uns die Arbeit. Außerdem haben wir Spaß dabei, mit unseren Kunden ins Gespräch zu kommen, ihre Fragen zu beantworten und ihre Reaktionen zu hören. Es ist eine gute Gelegenheit, unsere Begeisterung für den Wein und Rheinhessen weiterzugeben.“
Nicht für jeden, der auf einem Weingut aufwächst, ist es selbstverständlich in die Fußstapfen der Eltern zu treten. Alinas Eltern nahmen sie schon als Kind mit in die Weinberge, aber als es um die Berufswahl ging, sah sie zunächst ihre Zukunft nicht in Flonheim. Sie studierte Internationale Weinwirtschaft, sah sich in Neuseeland um und änderte ihre Meinung dann doch. Sie studierte in Geisenheim Weinbau und blieb auf dem Meyerhof. Die Liebe zu den rheinhessischen Weinbergen liegt wohl doch im Blut.

Mainzer Weinsalon. Brunnen. Foto: Karl Weller
Mainzer Weinsalon. Brunnen. Foto: Karl Weller

 

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