Aussicht-Binger-Loch-Baumgeistertour-klein

27. September 2021

Abwechslungsreich und abenteuerlich: magische Baumgeistertour bei Bingen

Meine Füße kribbeln schon ungeduldig, es wird mal wieder Zeit für eine Wanderung. Ich entscheide mich für die 12,8 Kilometer lange Baumgeistertour. Freudig schnüre ich meine Wanderschuhe und mache mich auf in den Binger Wald.

Mein Auto stelle ich auf dem kostenlosen Parkplatz am Jägerhaus bei Bingen am Rhein ab. Dort bin ich auch mit Thorsten Irmen verabredet; Anfang des Jahres übernahm der begeisterte Wanderer die ehrenamtliche Wegpatenschaft für die Baumgeistertour.

Bingen am Rhein
Bingen am Rhein

Als Wegpate läuft er den Weg mehrmals pro Jahr ab, kontrolliert die Beschaffenheit der Holzbrücken, sieht nach, ob alle Schilder noch vorhanden bzw. gut erkennbar sind und ob die Strecke ohne Probleme passierbar ist. Auf diese Weise sorgt er für die Sicherheit der Wanderer.

Nun starten wir – Thorsten Irmen empfiehlt, den Rundweg gegen den Uhrzeigersinn zu laufen. Gesagt, getan: Wir wandern den grasbewachsenen Hügel hinunter zur Steckeschlääferklamm. Steckeschlääfer sind Wanderer, die ihre Stöcke lässig auf dem Boden schleifen lassen. Ich mag es, wenn der hiesige Dialekt auf diese Weise eingebunden wird.

Die circa ein Kilometer lange Klamm ist ein erstes Highlight auf unserer Wanderung: Wir entdecken viele märchenhafte Waldgeister – die liebevollen Schnitzereien in den Bäumen stammen von Franz Kellermeier und den Weilerer Waldwanderfreunden.

Da wurden mit viel Können zahlreiche Kunstwerke geschaffen! Jeder Waldgeist zeigt eine andere Emotion und seinen ganz eigenen Charakter. Wie viele es wohl sind? Es lohnt sich, achtsam durch die Klamm zu laufen, um ja keinen Waldgeist zu verpassen. Eine schöne Aufgabe für Kinder, sie zu zählen! Überhaupt bietet sich die Steckeschlääferklamm für einen kurzweiligen Familienausflug an. Aber Achtung: Mit Kinderwagen ist hier leider kein gutes Durchkommen!

Wir wandern durch die geheimnisvolle Schlucht; hören den Haselbach leise murmeln. Überqueren hölzerne Brücken, laufen an moosbewachsenen Steinen vorbei und genießen die ruhige, mystische Stimmung, die die Steckeschlääferklamm verströmt. Der Weg ist ideal für heiße Sommertage, da er uns viel Schatten spendet.

Etwas wehmütig verlassen wir nun die Klamm und gelangen über eine Straße zum Wanderparkplatz am Josefsbrünnchen. Wir biegen rechts in den Wald hinein und überqueren dann erneut eine Straße.

Ein schmaler naturbelassener Weg führt uns schließlich wieder nach rechts, an den idyllischen Waldalgesheimer Wiesen vorbei. Von dort aus haben wir einen herrlichen Blick auf den Soonwald.

Zwei Wanderliegen laden zu einer kurzen Entspannungspause ein. Wir möchten jedoch gleich weiterlaufen, biegen links ab und danach wieder rechts. Wir wandern entspannt den gut ausgebauten Waldweg entlang, kommen nach kurzer Zeit an der Ausgrabungsstätte Villa Rustica vorbei.

Alsbald gelangen wir zu einer weiteren Attraktion: Die hölzerne Hängebrücke über dem Kreuzbach ist bei Kindern wie Erwachsenen äußerst beliebt und zudem ein gefragtes Fotomotiv! Sie ist Bestandteil des 4,5 Kilometer langen Erlebnispfads Binger Wald, der sich mit der Baumgeistertour in einigen Abschnitten überschneidet.

Wir überqueren die leicht schaukelnde Brücke und wandern Richtung botanischer Garten. Wer möchte, kann einen Abstecher dorthin machen. Uns zieht es jedoch weiter. Wir kommen am Forsthaus Heiligkreuz vorbei – es duftet sehr verlockend. Im Restaurant mit gut bürgerlicher Küche können Wanderer eine kulinarische Pause einlegen. Wir widerstehen tapfer und laufen weiter, es geht nun bergauf.

Schon bald können wir eine spektakuläre Aussicht auf den Rhein genießen – ein weiterer Höhepunkt der Baumgeistertour. Eine Bank und eine Wanderliege ermöglichen eine angenehme Rast. Von Weitem entdecke ich die Burgruine Ehrenfels sowie den berühmten Mäuseturm. Wanderherz, was willst du mehr?

Auch die nächste Aussicht auf dem Damianskopf wollen wir uns nicht entgehen lassen – der kleine Abstecher macht nur wenige hundert Meter mehr aus. Auch hier werden wir mit einer traumhaften Fernsicht belohnt. Mein Blick fällt auf den Rotweinort Assmannshausen – von hier oben sehen Häuser, Autos und Schiffe geradezu winzig, wie Spielzeuge, aus.

Nach einiger Zeit gelangen wir zum alteingesessenen Schweizerhaus. Seit 2018 fungiert der Betrieb als Biergarten – heißt, man darf hier sein mitgebrachtes Essen verzehren; lediglich die Getränke kauft man vor Ort. Unvergleichlich: der Blick auf das Binger Loch! Bereits als Kind habe ich immer sehr gerne einen Ausflug zum Schweizerhaus gemacht. Schöne Erinnerungen sind das!

Weiter geht es nun auf dem schmalen Eselspfad zur romantischen Burg Rheinstein. Die gut erhaltene, einstige Zollburg kann besichtigt werden. Ein Restaurant gibt es dort ebenfalls – man muss jedoch für diesen Besuch den vollen Burgen-Eintritt zahlen.

Wir setzen unsere Wanderung fort – so langsam merke ich deutlich, dass meine Kondition nicht die Beste ist: Immer öfter muss ich eine Pause einlegen. Thorsten Irmen wartet geduldig, bis ich wieder einigermaßen fit bin.

Schon bald bietet sich uns ein weiterer Panoramablick – dieses Mal auf die imposante Burg Reichenstein. Im Gegensatz zur vorigen Burg können wir diese auf unserem Weg nur aus der Ferne bewundern. Sie kann ebenfalls besichtigt werden.

Über Wurzeln und Steine geht es nun meist bergab, vorbei an filigranen Farnen, knorrigen Bäumen und beeindruckenden Felsformationen. Wir können uns an dieser reizvollen Landschaft kaum sattsehen. Schließlich gelangen wir ins idyllische Naturschutzgebiet Morgenbachtal. Große Steine am Wegesrand laden zu einem Picknick ein. Der Morgenbach rauscht fröhlich an uns vorbei. An heißen Tagen können Wanderer sich hier erfrischen.

Das Ende unserer Wanderung naht: Abschließend geht es noch ein letztes Mal steil hinauf zu unserem Ausgangspunkt zurück, vorbei am Restaurant Forsthaus Jägerhaus, das nach der Wanderung eine leckere Stärkung bietet. Etwas erschöpft, aber sehr glücklich verabschiede ich mich von meinem neuen Wanderfreund.

Mein Fazit: Der Premiumwanderweg Baumgeistertour bietet unzählige Highlights, erfordert jedoch auch ein gewisses Maß an Kondition. Wanderer dürfen sich auf eine abwechslungsreiche Tour freuen, an die sie sich sicher gerne zurückerinnern werden. 

Kommentare

Avatar

Selber kommentieren:


Unsere beliebtesten Artikel: