© Dominik Ketz - Ajaxturm auf der Hiwweltour Heideblick

15. Juli 2019

7 besondere Orte in der Rheinhessischen Schweiz

Kennt Ihr die Rheinhessische Schweiz? Die Ausläufer des nordpfälzischen Berglandes geben ihr den alpin angehauchten Namen. Das Landschaftsschutzgebiet im Südwesten Rheinhessens ist stärker von Hügeln und Tälern, von Wäldern und Wiesen geprägt als der Rest. Die wilde Natur ist das Herzstück der Rheinhessischen Schweiz – ergänzt von vielen sehenswerten, historischen und heimatgeschichtlichen Bauwerken. In unserem Blog stellen wir Euch sieben besondere Orte vor, die Ihr bei einem Besuch unserer „Schweiz“ erkunden könnt.

Der Ajaxturm in Siefersheim

Der Ajaxturm ist wortwörtlich ein Herzstück der Rheinhessischen Schweiz. Um seine Entstehungsgeschichte rankt sich nämlich eine tragisch-schöne Liebesgeschichte, die Romeo und Julia in nichts nachsteht: Anfang des 19. Jahrhunderts verliebte sich ein junger Bauernsohn aus Siefersheim in die Müllerstochter der Katzensteiger Mühle. Der Müller aber lehnte die Verbindung ab, da er mit dem Vater des Bauern zerstritten war. So konnten sich die beiden Liebenden nur heimlich im Weinberg treffen. Schließlich wurde die Müllerstochter mit einem anderen Mann verheiratet und starb kurz darauf an gebrochenem Herzen. Der Bauernsohn blieb sein Leben lang unverheiratet und ließ an der Stelle der heimlichen Treffen einen Turm bauen – den Ajaxturm.

Weg zum Ajaxturm

Wer braucht da noch einen Balkon in Verona, wenn man den Ajaxturm in der Rheinhessischen Schweiz haben kann? Auf der Hiwweltour Heideblick wandert Ihr direkt an dem schönen Weinbergsturm vorbei. Hier könnt Ihr die Aussicht ins Appelbachtal genießen und auf die Liebe und das Leben anstoßen.

Ajaxturm

Die Beller Kirche in Eckelsheim

Ein weiterer sagenumwobener Ort in der Rheinhessischen Schweiz ist die spätgotische Beller Kirche in Eckelsheim, die heute eine sehenswerte Ruine ist. Mindestens ein Dutzend Sagen ranken sich um ihren Namen. Mächtige Pappeln („Bellen“), die noch Anfang des 20. Jahrhunderts an der Kirche wuchsen, könnten namensgebend gewesen sein. Oder die Schutzpatronin „Bella Maria“. Vielleicht hatte aber auch der keltische Quellengott Belenus seine Finger im Spiel. Unweit der Kirche liegt immerhin die ehemals ergiebige Quelle „Beller Brünnchen“.

Beller Kirche

Tatsache ist, dass die Beller Kirche mehrere Jahrhunderte lang Schauplatz eines großen und bekannten Marktes auf freiem Feld war. Während diesem wurde das inzwischen verfallene Gotteshaus als Lagerraum für Ernten oder als Tanzboden für die ausgelassenen Eckelsheimer Bürger genutzt. Der letzte Beller Markt fand 1902 statt.

Ausblick aus der Beller Kirche

Die Umrisse der Kirche sind auch heute noch unglaublich gut erhalten. Im Inneren der Ruine kann man aus den Kirchenfenstern und -türen hinaus auf die Landschaft der Rheinhessischen Schweiz schauen und fast ein wenig in der Zeit reisen.

Die Ruine in Neu-Bamberg

Eine andere sehenswerte Ruine ist die einstige Burg von Neu-Bamberg, die imposant und weithin sichtbar über dem Ort thront. Sie wurde im 13. Jahrhundert erbaut und vier Jahrhunderte später zerstört.

Burgruine Neu-Bamberg

Hier oben könnt Ihr durch die aufwendig restaurierten Überreste der Burg wandeln und Euch ausmalen, was wohl in diesem oder jenen Abschnitt der Anlage früher passierte oder wer vor Euch schon durch die Torbögen schritt. Damals wie heute gleich sind die wunderschönen Ausblicke in die Rheinhessische Schweiz. Sehenswert ist auch die kleine katholische Kirche St. Dionysius, die in Teilen auf die mittelalterliche Burgkapelle zurückgeht.

Blick auf den Kirchturm der katholischen Kirche

Die Hiwweltouren Heideblick und Eichelberg bieten jeweils die Möglichkeit, über Abstecher die Burgruine von Neu-Bamberg zu erkunden.

Das Alzeyer Schloss

Im Gegensatz zur Neu-Bamberger Burg ist die staufische Reichsburg in Alzey keine Ruine. Sie wurde im 16. Jahrhundert zum Schloss ausgebaut und nach der Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg wieder prachtvoll aufgebaut. Heute beherbergt das Schloss das Alzeyer Amtsgericht sowie ein Mädcheninternat.

Alzeyer Schloss

Jedes Jahr im Sommer kann man den romantischen Schlosshof genießen, während das Schloss zum Schauplatz des traditionsreichen Da Capo Festivals wird. Im Inneren des Schlosses ergeben sich mit guter Unterhaltung und einem Glas Rheinhessenwein im modernen Rahmen dann noch mal ganz andere Perspektiven auf das historische Bauwerk.

Stimmung am Alzeyer Schloss

Der Ortskern von Wonsheim

Historie und Moderne treffen auch im Ortskern von Wonsheim aufeinander. Wenn Ihr durch die kleinen Straßen rund um die Lambertuskirche mit ihrem romanischen Chorturm bummelt, könnt Ihr einige Häuser aus dem 18. Jahrhundert entdecken, die unter Denkmalschutz stehen.

Ortskern Wonsheim

Die Brücke zur Moderne wird im neuen Pfarrgarten geschlagen, der zwischen den historischen Gebäuden und dem Dorfplatz mit dem Sandsteinbrunnen liegt. Hier ist ein richtiges Kleinod entstanden. Wo der Pfarrer früher Obst und Gemüse angebaut hat, laden heute eine Boulebahn mit Leihkugeln, ein Schachbrett, Wasserspiele und eine üppige Vegetation zum Verweilen ein. Der blaue Bauwagen verleiht dem modernen Park, den die Wonsheimer komplett in Eigenregie umgestaltet haben, einen ganz besonderen Charme.

Schachfeld im Ortskern von Wonsheim

Der Trullo in Flonheim

Apropos besonders: Wenn etwas ein Wahrzeichen ist, dann muss es besonderes sein. Der Trullo in den Weinbergen Flonheims gilt als Wahrzeichen Rheinhessens. Das weiße Rundhaus mit Spitzdach wurde im 18. Jahrhundert wahrscheinlich von apulischen Gastarbeitern errichtet, die in den umliegenden Steinbrüchen tätig waren – als Hommage an ihre Heimat in Italien.

Blick auf den Flonheimer Trullo

Der Trullo fügt sich harmonisch in den Adelberg und strahlt den Wanderer auf der Hiwweltour Aulheimer Tal schon von Weitem an. Der Ausblick vor dem Turm ist fantastisch.

Trullo mit Sitzgelegenheiten

Der Nordpfalzblick auf dem Eichelberg

Um zu diesem besonderen Ort der Rheinhessischen Schweiz zu gelangen, müsst Ihr zunächst bergauf gehen. Er liegt nämlich auf dem Eichelberg, einem der höchsten Berge Rheinhessens. Die Hiwweltour Eichelberg führt genau hier hoch.

Ganz oben, zwischen dichten, duftenden Kiefern steht eine Bank. Und von dieser Bank habt Ihr einen tollen Blick in das nordpfälzische Bergland, bis zum Donnersberg. Nach dem durchaus steilen Anstieg weiß man sowohl Bank als auch Blick wirklich zu schätzen. Und man versteht, warum die Rheinhessische Schweiz diesen alpinen Namen durchaus verdient trägt.

Nordpfalzblick

Habt Ihr noch andere Lieblingsorte in der Rheinhessischen Schweiz? Dann lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen.

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